Lexikon der Filmbegriffe

Zeittotale

(1) Dass deskriptive Sequenzen die Gleichzeitigkeit der Gegenstände repräsentieren, die ihre Bilder zeigen, ist eine der frühen Formen der filmischen Zeitdarstellung. Die Zeitlichkeit des Films wird in einer Synthese zu einer Zeit ausblendenden Wahrnehmung eines Zustandes. Gerade in neuerer Medienkritik wurde aber die Verdichtung aller Bilder in absoluter Gleichzeitigkeit als Effekt der Medialisierung der Wahrnehmung beschrieben und gelegentlich als Zeittotale bezeichnet.

Literatur: Großklaus, Götz: Medien-Zeit Medien-Raum. Zum Wandel der raumzeitlichen Wahrnehmung in der Moderne. Frankfur: Suhrkamp 1995, darin v.a. Kap. I: Dehnung und Verdichtung. Zur Zeitlichkeit der Medien, S. 11-71.

(2) Der Begriff wurde wohl erstmals von Alexander Kluge in den 1980ern auch in dem Sinne verwendet, dass bei ausreichend großem Abstand vom Sujet – etwa beim Porträtieren von Städten – das Vergehen der Zeit keine wichtige Rolle mehr spielt – anders als in Narrationen, bei denen allerdings größere Zeiträume wie etwa mehrjährige Zeiträume in Liebesgeschichten gerafft, kondensiert oder übersprungen werden können.


Artikel zuletzt geändert am 22.05.2013


Verfasser: JvH


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