Lexikon der Filmbegriffe

Rückwendung

Eberhard Lämmert schlägt in seinem Bauformen des Erzählens (1955) eine Typologie der Rückwendungen vor, unter denen er das Nachtragen von Geschehnissen versteht, die sich schon zu einem früheren Zeitpunkt ereignet haben. Ein typischer Fall sind nachgereichte Informationen über die Biographie einer Handlungsfigur, so dass deren Handlungsmotivationen manchmal in ganz neuem Licht erscheinen. Als aufbauende Rückwendung bezeichnet er solche Fälle, in denen am Anfang Ausgespartes nachgereicht wird (wenn etwa nach dem Gespräch eines Privatdetektivs mit einer Klientin gezeigt wird, was sie dazu bewegt hat, jenen aufzusuchen). Entsprechend steht die auflösende Rückwendung am Ende des Textes – nun werden Informationen nachgeliefert, die bis zu dieser Stelle zurückgehalten worden waren (ein Beispiel sind die finalen Szenen in Agatha-Christie-Geschichten, wenn in einer Art Konferenz aller Beteiligten Varianten des möglichen Verbrechens durchgespielt und meist bislang Unerwähntes nachgetragen wird). Daneben gibt es auch eingeschobene Rückwendungen, die im Verlauf der Erzählung Vorangegangenes reportieren, um Nebenhandlungen weiter auszuführen, das Gegenwärtige in die Vergangenheit zu verlängern oder einzelnes Geschehen mit Vorgeschichten zu verbinden.

Literatur: Lämmert, Eberhard: Bauformen des Erzählens. Stuttgart: Metzler 1955, S. 100-138. Zahlr. Neuaufl.


Artikel zuletzt geändert am 22.05.2013


Verfasser: KB


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