Lexikon der Filmbegriffe

hate crimes

auch: bias‑motivated crimes; dt. etwa: Verbrechen aus Hass, Hasskriminalität, vorurteilsgeleitete Straftat, Vorurteilskriminalität

Aus den US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegungen stammende Bezeichnung von Straftaten, bei denen das Opfer des Delikts vom Täter vorsätzlich nach dem Kriterium der wirklichen oder vermuteten Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe (wie etwa ethnische Gruppen, Obdachlose, Behinderte u.ä.) gewählt wird und sich das Verbrechen dadurch gegen die gewählte Gruppe als Ganze richtet. Sexismus, Rassismus und ähnliches sind die Voreinstellungen, die oft unter besonderen Bedingungen (wie Krieg, Lynch- oder Progromstimmungen, Aufstände etc.) sich als hasskriminelles Handeln äußern. Aber auch rassistisch oder nationalistisch motivierter Terror wird dem Feld der hate crimes zugerechnet. Weil vorurteilsmotiviertes Verbrechen eine Reaktion auf die Multikulturalität und Heterogenität moderner Gesellschaften ist, ist sein diskursiver Kern ein Angriff auf die Gleichberechtigung der Beteiligten; insofern implizieren seine Dramatisierungen immer eine Auseinandersetzung mit der (sozial-)politischen Umgehensweise mit Differenz. Das Feld der Motive, in denen vorurteilsgeleitetes Verbrechen thematisiert wird, reicht von Selbstjustiz- und Lynchgeschichten bis hin zu figurengewordener Andersheit wie bei Werwölfen, Zombies und Vampiren.

Literatur: Schneider, Hans Joachim: Kriminologie der Hassdelikte. Konzeptionen, Ursachen, Vorbeugung und Kontrolle. In: Bewährungshilfe. Soziales, Strafrecht, Kriminalpolitik 50,2, 2003, S. 115‑133. – Brummett, Barry: Uncovering hidden rhetorics. Social issues in disguise. Los Angeles, Cal. [...]: Sage 2008. – Monckton Smith, Jane: Murder, gender and the media. Narratives of dangerous love. Houndmills [...]: Palgrave Macmillan 2012. 


Artikel zuletzt geändert am 22.05.2013


Verfasser: HHM


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