Lexikon der Filmbegriffe

Lacuna

von lat.: lacuna = Vertiefung, Loch, Lücke; selten auch: Lakune

In der Editionsphilologie und Textwissenschaft bezeichnet man eine tatsächlich vorhandene oder aus Problemen des Textes erschließbare Lücke in der Überlieferung eines Textes, die verschiedene Ursachen haben kann, von der mechanischen Zerstörung eines Teils des Textes, die Zensurierung von Filmen mit anschließender Vernichtung ganzer Textteile und ähnlichem mehr. Teile der historischen Rekonstruktion einer integralen Uraufführungsfassung oder eines nie zur Aufführung gelangten ursprünglich autorisierten Textes bestehen darin, derartige Lücken (etwa mithilfe von Zensurkarten, erhaltenen Zwischentiteln und ähnlichem) zu identifizieren und ggf. mit neu aufgefundem Material zu füllen. Ein Sonderfall ist Frank Capras Lost Horizon (USA 1937), der in einer ersten Fassung fast sechs Stunden lang war, in einer 132 Minuten langen Fassung uraufgeführt wurde und danach wegen seiner pazifistischen Tendenzen um 24min nochmals massiv gekürzt und bearbeitet wurde; von der Uraufführungsfassung blieb nur die Tonspur erhalten, die in der DVD-Edition des Films nicht nur um wiedergefundene Szene komplementiert, sondern auch mit Schwarzbild und gelegentlichen Production Stills unterlegt wurde.


Artikel zuletzt geändert am 22.05.2013


Verfasser: AS


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