Lexikon der Filmbegriffe

heimliche Hochzeit

frz.: mariage secret

Eines der Kernthemen der französischen Sittenkomödie (comédie larmoyante) aus dem 18. Jahrhundert ist die Hochzeit im Geheimen, die vor allem in manchen Formen der romantischen Komödie bis heute Bestand hat. Es geht um Beziehungen, die sich dem elterlichen Diktat über die Partnerwahl entziehen und mit eigengewählten Partnern eine Realität schaffen, die nicht nur elterliche Macht bricht, sondern oft gegen familiäre Interessen verstößt, Stände-(resp. Klassen-)schranken durchbricht oder sogar gegen politische Vorgaben verstößt. Nachgerade klassisch sind die Fälle, in denen über Klassengrenzen hinweg geheiratet wird (einige Beispiele: eine Revuetänzerin und ein reicher Millionenerbe in The Secret of Madame Blanche, USA 1933, Charles Brabin; in Little Lord Fauntleroy, Großbritannien 1936, John Cromwell, wird erst der Enkel wieder in die herzogliche Familie aufgenommen – der Sohn und Erbe, der eine Amerikanerin geheiratet hatte, war verstoßen worden; in Frau am Steuer, Deutschland 1939, Paul Martin, heiratet eine Sekretärin gegen das Werben ihres Chefs einen Bankangestellten). Ein bekanntes Beispiel ist Casablanca (USA 1942, Michael Curtiz), in dem die Frau den gesuchten Untergrundkämpfer ehelicht; manchmal werden ethnische Konventionen durch das Liebespaar gebrochen – insbesondere im indischen Kino spielt das Motiv eine nach wie vor wichtige Rolle, weil es das ständische Denken die gesellschaftliche Realität nach wie vor bestimmt. Und manchmal wird die Hochzeit vor Verwandten und Freunden verheimlicht, ganz privatisiert und an exotischem Ort vollzogen, wie der Dokumentarfilm Heimliche Hochzeit (BRD 2007, Marianne Trensch) zeigt. Natürlich umfaßt die verbotene Hochzeit auch tragische Potentiale (das Shakespearesche Drama um Romeo und Julia ist eine Kondensation dieses narrativen Motivs).


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2013


Verfasser: JvH


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