Lexikon der Filmbegriffe

kosmopolitisches Kino


von griech.: kósmos = Weltordnung, Welt + polítis = Bürger; engl.: cosmopolitan cinema

Kosmopolitismus ist eine philosophisch‑politische Ideologie, die den ganzen Erdkreis als Heimat betrachtet und sich strikt gegen Nationalismus und Provinzialismus ausrichtet. Angesichts der globalen Interessen von Wirtschaft und (vor allem in der Kolonialzeit) Politik wurde gegen das Modell eingewendet, dass der Begriff nur eine verdeckte Strategie bezeichne, strukturelle Macht vom Ideologischen abzuspalten (die Vorstellung des „proletarischen Internationalismus“ aus der UdSSR ist auch ein Gegenentwurf zur Vorstellung des Kosmopolitischen). In der postkolonialistischen Diskussion der 1980er wurde ein neuer Diskurs des Kosmopolitismus entfaltet (u.a. von Arjun Appadurai, James Clifford und Ulrich Beck), der auf eine Synthese aus partikularistischen und universellen Motivationen ausgerichtet war. Angesichts der globalen, transnationalen und multikulturellen Verwertung von Produkten der (westlichen) Filmindustrien stellt sich die Frage einer hegemonialen Funktion des Kinos fast von Beginn an, in der ein ästhetischer Anspruch auf ein „Weltkino“ immer in Konflikt mit den institutionellen Strukturen der Produktion und Distribution einerseits, mit einer verborgenen ideologisch-hegemonialistischen Funktion andererseits standen.

Literatur: Held, David: Kosmopolitanismus. Ideal und Wirklichkeit. Freiburg [...]: Alber 2013. – Thielking, Sigrid: Weltbürgertum: Kosmopolitische Ideen in Literatur und politischer Publizistik seit dem achtzehnten Jahrhundert. München: Fink 2000. – Allan, Seán: Kosmopolitische Fiktionen. In: DEFA international. Grenzüberschreitende Filmbeziehungen vor und nach dem Mauerbau. Hrsg. v. Michael Wedel [...]. Wiesbaden: Springer VS 2013, S. 45-59.


Referenzen:

Transkulturalität


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2013


Verfasser: HHM


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