Lexikon der Filmbegriffe

Bewußtseinsfilm


engl. manchmal: mind film; screen of subconsciousness

Bewußtseinsfilm
ist auch im Deutschen als Gelegenheitsbezeichnung für mindgame film durchaus gebräuchlich, stammt allerdings in seinen heutigen Bedeutungen wohl aus den Tagebüchern und Briefen Rolf Dieter Brinkmanns, der auch von „Gedankenfilm“ oder von „Gehirnfilm“ sprach. Gemeint war damit der Bewußtseinsstrom, den er lyrisch mittels von Techniken darstellen wollte, die der Formensprache des Films entlehnt waren (Zoom-Ins auf banale Gegenstände, Über- und Doppelbelichtungen, [Gedanken-]Schwenks, Schnitte etc.).
Der Begriff taucht auch in der Psychologie und Neurologie seit den 1970ern vermehrt als bildhafte Bezeichnung der kontinuierlichen Tätigkeit des Gehirns auf, vor allem, um seine ungesteuert-assoziativen Schlüsse und Übergänge zu erfassen. Ob diese Art der Bewußtseinstätigkeit ein Spezifikum des Menschen ist, ob sie also auch bei Tieren auftritt, ist strittig.
Im Film wurde der Begriff vielfach verwendet, um eine Analogie der Folge von Bildern auf der Leinwand mit dem Fluss der inneren – bildhaften – Vorstellungen im allgemeinen auszudrücken oder im besonderen jene Montageformen zu erfassen, die Bewußtseinsprozesse filmisch darzustellen versuchten. Vor allem die assoziativen Montagen der Videoclips führten zu einer Renaissance der Metapher.

Literatur: Crampton, Martha: Answers from the Unconscious. In: Synthesis 2, 1985-78, S. 140-152. – Dotta, Blake, T. / Persinger, Michael A.: Increased Photon Emissions from the Right But Not the Left Hemisphere While Imagining White Light in the Dark: The Potential Connection Between Consciousness and Cerebral Light. In: Journal of Consciousness Exploration & Research 2,10, 2011, S. 1463-1473. – Kawin, Bruce F.: Mindscreen: Bergman, Godard, and First‑Person Film. Princeton, NJ : Princeton University Press 1978. – McGinn, Colin: The Power of Movies. How Screen and Mind Interact. New York: Pantheon Books 2005. – Pepperell, Robert / Punt, Michael (eds.): Screen Consciousness. Cinema, Mind and World. Amsterdam [...]: Rodopi 2006.


Referenzen:

Mindgame-Movies

mindscreen


Artikel zuletzt geändert am 08.09.2013


Verfasser: JvH


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