Lexikon der Filmbegriffe

Ekphorie

von griech.: ekpherein = heraustragen

Der der physiologischen Gedächtnistheorie entstammende, 1904 von Richard Semon vorgeschlagene Begriff der Ekphorie bezeichnet den Vorgang des Erinnerns bzw. das Wiederhervorrufen eines Erinnerungsbildes im allgemeinen. Ihm ist das Engramm als physiologisch repräsentierter Gedächtnisinhalt zugeordnet. Das Ekphorieren wird durch einen äußeren Reiz hervorgerufen (den „ekphorierenden Reiz“). Empirische Untersuchungen zur Filmerinnerung zeigen allerdings, dass insbesondere komplexe Erinnerungsgegenstände im Erinnern eher neu konstruiert denn nur abgerufen werden (eine Tatsache, die schon Bartlett in seinem Buch Remembering, 1932, so beschrieb). Eine Umkehrung dieser Speicherthese geht davon aus, dass im Erinnern auf Dramaturgien der (Theater- und Film-)Szene zurückgegriffen wird, die als strukturelle Rahmen benutzt werden, um die heterogenen, multimedial und -modal vorliegenden Gedächtnisspuren (bildhafte Elemente, Geräusche, Klangfarben, Gerüche, begleitende Gefühle) zur bewußten und wiederreportierbaren Erinnerung synthetisieren.

Literatur: Kebeck, Günther: Fehleranalyse als Methode der Gedächtnisforschung. Wiesbaden: Deutscher Universitäts‑Verlag 1991.

Referenzen:

Engramm


Artikel zuletzt geändert am 08.09.2013


Verfasser: KB


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