Lexikon der Filmbegriffe

Risikokommunikation


Oft im Zusammenhang mit den Ergebnissen der sogenannten Technikfolgenabschätzung bezeichnet Risikokommunikation das Gesamt an Mitteln, Plänen und Strategien, die Behörden und Firmen zur öffentlichen Kommunikation der Identifikation, der Bewertung und des Managements von Risiken aller Art bereitgestellt haben, die große Bevökerungsmengen betreffen (von Umwelt- und Naturkatastrophen über Lebensmittelvergiftungen bis zur Gesundheitsgefährdung). Es geht nicht allein um die Veränderung von Verhalten unter der Bedingung des eingetretenen Risikofalls, sondern um die Moderation von Konflikten, die Vermittlung des Wissens über Risikopotentiale, die Veränderung von Bewertungen u.ä.; darum auch sind Vorsorge- und Schutzmaßnahmen (bei der Beachtung von Maßnahmen zur  Arbeitssicherheit oder auch das Anschnallen beim Autofahren) wesentlicher thematischer Teil aller Risikokommunikation, nicht nur die Kommunikation eingetretener Notfälle und Katastrophen.
Risikokommunikation zählt zu den genuin kommunitären Formen öffentlicher Kommunikation, ist zumindest programmatisch auf die Herstellung von Transparenz ausgerichtet und gewinnt in einer spätindustriellen Wissensgesellschaft immer weitere Bedeutung (etwa hinsichtlich der Probleme der Datensicherheit); allerdings zeigt sich schnell, dass sie sowohl unter dem Einfluss politischer und kommerzieller Interessen steht (wie das Thema der Atomindustrie leicht belegen kann); ein zentrales kommunikatives Ziel vor allem der Firmen, die Risikokommunikation betreiben, ist der Aufbau von Vertrauen in die Verantwortlichkeit, mit der sie ihre Ziele verfolgen (weshalb oft die Firmen-PR auf Risiko-Themen zugreift).

Literatur: Brauerhoch, Frank‑Olaf [...] (Hrsg.): Formen und Folgen behördlicher Risikokommunikation. Berlin: Bundesinstitut für Risikobewertung 2008. – Bechmann, Gotthard / Stehr, Nico: Risikokommunikation und die Risiken der Kommunikation wissenschaftlichen Wissens. Zum gesellschaftlichen Umgang mit Nichtwissen. In: GAIA 9,2, 2000, S. 113-121. – Krüger, Jens [...] (Hrsg.): Risikokommunikation. Technikakzeptanz, Medien und Kommunikationsrisiken. Berlin: Ed. Sigma 1991. – Lundgren, Regina E. / MacMakin, Andrea H.: Risk communication. A handbook for communicating environmental, safety, and health risks. Columbus: Battelle Press 1994. Mehrere Neuaufl.



Artikel zuletzt geändert am 08.09.2013


Verfasser: HHM


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