Lexikon der Filmbegriffe

Mehrfachadressierung (1)

Ein und derselben kommunikativen Äußerung lassen sich adressatenspezifisch möglicherweise unterschiedliche Bedeutungen zuschreiben, können sich als polysem erweisen. Als mehrfachadressiert gelten Texte, die ihre Doppel- oder Vieldeutigkeit dadurch erlangen, dass sie an systematisch in den kommunikativen Konstellationen unterschiedlich lokalisierte, vor allem durch Interessendifferenzen gekennzeichnete Positionen gebunden sind (in politischer Kommunikation, bei Bewerbungsschreiben etc.). In der Rundfunkkommunikation wurde das Konzept vor allem an den Moderationsstilen in Rundfunkprogrammen entfaltet – die Multifunktionalität sprachlicher Handlungen tritt dort mit den unterschiedlichen Beteiligungsrollen von Moderator, Gesprächspartner und Gesamtpublikum zusammen, konstituiert ein komplexes kommunikatives Gefüge. Ähnlich wird auch Sprachhandeln vor Publikum (in vielen TV-Shows etwa gleich mehrfach: die Sprechhandelnden auf der Bühne – das Publkum im Saal – das Publikum zu Hause) als „mehrfachadressiert“ untersucht.

Literatur: Hoffmann, Ludger (1984) Mehrfachadressierung und Verständlichkeit. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 55, S. 71-85. – Kühn, Peter: Mehrfachadressierung. Untersuchungen zur adressatenspezifischen Polyvalenz sprachlichen Handelns. Tübingen: Niemeyer 1995. – Schlickau, Stephan: Mehrfachadressierung im Rundfunk. In: Folia Linguistica 32,3-4, 2009, S. 365-386.

Referenzen:

Mehrdeutigkeit

Polysemie


Artikel zuletzt geändert am 18.11.2013


Verfasser: HJW


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