Lexikon der Filmbegriffe

Urlaubsfilm

(1) Amateurfilme, die im Urlaub entstanden sind und den Urlaub dokumentieren.

(2) Thema von Filmen, die die Erlebnisse einzelner oder von Gruppen während der Urlaubszeit erzählen. Die Begrenztheit der Zeit (möglicherweise auch des Ortes), das Motiv der Reise, neue soziale und sexuelle Beziehungen – es ist ein ganzer Kranz von Themen, die oft episodisch entfaltet werden. Eine strikte narrative Klammerung gibt es oft nicht – ist der Urlaub vorbei, endet auch der Film. Meist handelt es sich um Komödien wie Les Vacances de M. Hulot (Frankreich 1951, Jacques Tati) oder Mr. Bean‘s Holiday (Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2007, Steve Bendelack), um Satiren wie Man spricht deutsh (BRD 1988, Hans Christian Müller) oder Superstau (BRD 1991, Manfred Stelzer), um transitorische soziale Kleinwelten, wie sie bei Cluburlauben entstehen (Les Bronzés, Frankreich 1978, Patrice Leconte), Coming-of-Age-Komödien wie die achtteilige Serie Eis am Stiel (Israel/Deutschland 1978‑84, Boaz Davidson), um das Eintauchen in fremde Identität wie in Ferien vom Ich (BRD 1952, Hans Deppe), Urlaube als Bewährungs- und Ichfindungsphasen (wie in Mr. Hobbs Takes a Vacation, USA 1962, Henry Koster) und ähnliches mehr. Ganze Genres wie der Beach-Party-Film thematisiert auch die Urlaubsbedingung der Handlung. Das Heraustreten aus den Alltagsroutinen, die Erlebniserwartung der Figuren, das Transitorische des Geschehens tragen dazu bei, dass oft verdeckte Charakterzüge, Sehnsüchte oder auch Tugenden im Urlaub hervortreten können. Selbst Dirty Dancing (USA 1987, Emile Ardolino) thematisiert auch die Kondition eines Familienurlaubs.

Literatur: Hilliker, Lee: Hulot vs. the 1950s: Tati, technology and mediation. In: Journal of Popular Culture 32,2, 1998, S. 59‑78..


Artikel zuletzt geändert am 18.11.2013


Verfasser: KB


Zurück