Lexikon der Filmbegriffe

Wahrnehmungsvertrag (2)

In einer pragmatischen Filmtheorie wird davon ausgegangen, dass das Verstehen von Filmen darauf basiert, dass Zuschauer mit dem Film einen Wahrnehmungsvertrag eingehen, der den modalen Status eines Films als authentisch, dokumentarisch, fiktional usw. ebenso betrifft wie den Repräsentationsmodus (photographisch, animiert, verfremdet etc.) und den Lektüremodus festlegt. Insbesondere in der Dokumentarfilmtheorie werden die Authentisierungsstrategien des Films funktional als Mittel angesehen, zwischen der filmischen Kommunikatorinstanz und dem Zuschauer den geltenden Vertrag zu stabilisieren, u.U. zu modifizieren. Wird der Repräsentationsmodus im Film gewechselt (wie etwa am Ende von Waltz with Bashir, Israel [...] 2008, Ari Folman), greift der Wechsel in den geltenden Kontrakt ein und zwingt den Zuschauer dazu, eine zentrale Wahrnehmungsvoraussetzung der Geschichte fundamental zu verändern.

Literatur: Hattendorf, Manfred: Dokumentarfilm und Authentizität. Ästhetik und Pragmatik einer Gattung. Konstanz: Ölschläger 1994.

Referenzen:

kommunikativer Vertrag


Artikel zuletzt geändert am 12.01.2014


Verfasser: HJW


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