Lexikon der Filmbegriffe

Halbblut

wohl um 1950 entstandene Germanisierung des engl.: half-blood; allgemeine Bezeichnung für einen Mischling, dessen Eltern verschiedenen Rassen entstammen; auch: Mestize; gelegentlich pejorativ: Bastard

(1) Im Western ist das Halbblut eine Figur „zwischen“ den rassistisch und ideologisch einander gegenüberstehenden Gruppen der Weißen (vor allem der Siedler) und der indianischen Bevölkerung. Sie arbeiten zwar oft für die Weißen, werden aber als Bürger zweiter Klasse behandelt und geraten aber immer wieder in die Rassenkonflikte hinein. Manche Filme behandeln den Konflikt melodramatisch (wie Duel in the Sun, USA 1946, King Vidor, in dem eine halbblütige junge Frau erst in einer Todeshochzeit mit ihrem Geliebten vereinigt wird, oder Flaming Star, USA 1960, Don Siegel, in dem Elvis Presley einen Halbindianer spielt, der zwischen der Solidarität mit seiner Familie und dem Stamm seiner Mutter aufgerieben wird). Ein ganz anderes Beispiel ist Chato‘s Land (USA 1972, Michael Winner), in dem der Titelheld in Notwehr einen Sheriff erschießt; als die Verfolger seine Frau vergewaltigen und seinen Bruder erschießen, nimmt er blutige Rache – und zeigt, dass er die indianischen Tugenden der Jagd perfekt beherrscht. Die Figur tritt auch in den deutschen Karl-May-Adaptionen auf, zumal May die Figur bereits in seinen Romanen etabliert hatte (ein Beispiel ist Winnetou und das Halbblut Apanatschi, BRD/Jugoslawien 1966, Harald Philipp). Das bekannteste neuere Beispiel ist Thunderheart (USA 1992, Michael Apted), in dem eine Halbindianer, der für das FBI arbeitet, während der Ermittlungen zu einem Fall im Reservat seine indianischen Wurzeln ebenso entdeckt wie seine Zugehörigkeit zur Gruppe der Verfolgten.
Die erotische Attraktivität und die sexuelle Initiativität halbblütiger Frauen ist mehrfach behandelt worden (in dem schon genannten Duel in the Sun, aber auch in dem älteren Halbblut, Deutschland 1919, Fritz Lang, in dem Ressel Orla eine femme fatale spielt).
Ein Seitenmotiv sind Figuren, die verdächtigt werden, der anderen Rasse anzugehören (wie in The Unforgiven, USA 1960, John Huston, in der eine adoptierte Tochter als entführte Indianerin diffamiert wird, oder in The Searchers, USA 1956, John Ford, in der eine junge Weiße, die bei den Indianern lebt, für eine Konvertitin gehalten und mit dem Tod bedroht wird, sie sehe fast aus wie ein Halbblut).

(2) In den 1950ern wurden Besatzungskinder von dunkelhäutigen US‑Soldaten und europäischen Müttern (oft pejorativ) Halbblut (oft auch: Negermischling, manchmal engl.: brown baby) genannt, offenes Anzeichen einer rassistisch und moralisch begründeten Ausgrenzung der Kinder (die meist in die USA emigriert wurden und dort unter die Konditionen der US-amerikanische Apartheidspolitik gerieten). Einer der wenigen Filme, die das Thema in ihrer Zeit angesprochen haben, ist Toxi (BRD 1952, Robert Adolf Stemmle) – auch er endet damit, dass der überraschend aufgetauchte Vater des Waisenkindes es mit zurück in die USA nimmt.


Artikel zuletzt geändert am 12.01.2014


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