Lexikon der Filmbegriffe

Kontorsion

von lat.: contortio = Drehung, Windung

Schlangenmenschen können ihren Körper in Positionen verdrehen und verbiegen, die für die meisten Menschen unmöglich sind. Sie treten mit ihren Kontorsions-Nummern im Zirkus auf; im Film finden sie sich fast ausschließlich in zirzensischen Zwischenspielen oder dargestellten Bühnennummern, gelegentlich aber auch als besondere Qualität von Figuren bei der Durchführung größerer Coups (wie etwa die Figur des Artisten Giulio [Gilles Ségal] in Jules Dassins Film Topkapi, USA 1964).
Manchmal treten Kontorsionisten auch als lebende Puppen auf. Bekannt ist vor allem der Rag-Doll-Akt, bei dem ein oder zwei (lebende) Partner den Schlangenmenschen wie eine schlaffe, lebensgroße Puppe (= rag doll) hin- und herschleudern, verbiegen, durch die Luft werfen usw.; am Ende der Nummer wird die Puppe oft in einen kleinen Kasten gestopft, aus dem sie in einer Art finalem Gag selbst herausklettert und sich als Artist dem Publikum zeigt. Eine nicht-kontorsive Variation ist der brasilianische Dança da boneca de pano (etwa: Tanz mit der Stoffpuppe), der meist mit einer tatsächlichen Puppenfigur ausgeführt wird. Beide Formen des Rag-Doll-Aktes sind im Film dargestellten Bühnenauftritten vorbehalten, finden sich im frühen Film allerdings auch als eigenständige Film-Sujets.


Artikel zuletzt geändert am 12.01.2014


Verfasser: JvH


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