Lexikon der Filmbegriffe

compilation score

meist auch dt.; selten: Kompilation; von lat.: compilare = ausplündern, berauben, zusammenraffen, stehlen; heute auch im Sinne von: kompilieren = zusammenstellen

Zur Zeit des Stummfilms waren Kompilationen im Sinne einer dramaturgisch sinnvoll nach Cue Sheets zusammengestellten oder lediglich nach Zeitdauern zusammengestoppelten Abfolge von bereits vorliegenden Musikstücken für die Länge eines Films die Regel. Auch bei vielen Originalpartituren für ambitionierte „Groß-Filme“ findet sich in verschiedenen Abstufungen eine Mischung aus original komponierten Fragmenten, kompilierten Nummern aus dem Notenfundus der Kinokapellmeister und speziell arrangierten Stücken, welche mehr oder minder geschickt zu einer kontinuierlich ablaufenden Illustrationsmusik verbunden wurden. Auch der frühe Tonfilm zeigt in partieller Weiterführung von Usancen der Stummfilm-Begleitmusik neben Originalkompositionen den non-diegetischen Einsatz von Kinotheken-Stücken oder populären Orchesterwerken aus dem klassisch-romantischen Repertoire. Im Idealfall gelingt es, in der Komposition auch eine Montage der mit den verwendeten Musiken verbundenen (affektiven, assoziativ konnotierten, aus dem Gebrauch entstehenden usw.) Bedeutungen zu erzielen (ein berühmtes Beispiel ist Stanley Kubricks 2001 - A Space Odyssey, 1968).
Eine besondere Form von compilation scores entstand in den Universal Studios  in den 1940er und 1950er Jahren mit der Herstellung von orchestraler Begleitmusik für Hunderte von B-Movies unter manufakturmäßigen Bedingungen: Unter der Leitung eines Music Director komponierte und kompilierte ein Stab von Komponisten in einem speziellen arbeitsteiligen Verfahren umfangreiche Scores für Kriminal-, Fantasy- und Science-Fiction-Filme. Nach der konzeptionellen Einigung auf ein thematisches Grund- und harmonisches Ausgangsmaterial vertonten die Komponisten – oft spezialisiert auf bestimmte Ausdrucksbereiche (Liebe, Spannung, spezifisches Lokalkolorit etc.) – unter meist extremen Zeitdruck unabhängig voneinander die einzelnen Sequenzen, die – instrumentiert und zu einer Partitur zusammengefügt – mit dem Studioorchester aufgenommen wurden.
Mit dem Aufkommen des Magnettonbandes und der Möglichkeit, vorhandene Musikaufnahmen (zunächst mit Schere und Klebeband) zu schneiden und als Laufband zu kompilieren, geriet die Herstellung von Compilation Scores (in Form von Notenmaterial) ab den 1960er Jahren zunehmend außer Gebrauch. 

Literatur: Brackett, David: Banjos, Biopics, and Compilation Scores: The Movies Go Country. In: American Music 19,3, Autumn 2001, pp. 247-290. – Cooke, Mervin: A History of Film Music. Cambridge: Cambridge University Press 2008, S. 408ff. – Kalinak, Kathryn: Film music. A very short introduction. Oxford [...]: Oxford University Press 2010, S. 84ff. – Smith, Jeff: The Sounds of Commece. Marketing Popular Music. New York: Columbia University Press 1998, ch. 7.
 

Referenzen:

song scores


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: WT


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