Lexikon der Filmbegriffe

Divenfilm (1)

Im Horizont eines gewissen Ensembles der Frauenrollen im Film vor 1918 bilden die italienischen „Divenfilme“ der 1910er Jahre eine kleine eigenständige Gruppe. Insbesondere Lyda Borelli („Göttin der Verwandlung“), Francesca Bertini („Göttin der Leidenschaft“) und Pina Menichelli („Göttin der Widersprüche“) brachten ihre je eigenen, unverwechselbaren Schauspielstile hervor, in einer Kombination von ausgestellter Anmut und hoher körpersprachlicher Expressivität geben sie einer erotischen Entfesselung Ausdruck, die rabiat gegen die reale gesellschaftlich ausgeübte Körperkontrolle vor allem der Frauen. An Rollentraditionen der Oper anknüpfend, die Rolle und das Image der Diva miteinander verschränkend treten sie in melodramatische Konstellationen ein, die bis dahin im Kino ganz ungewohnt waren. Opernhafte Ausstattung sowohl im feudalen wie im proletarischen Umfeld, die Darstellerinnen klar herausarbeitende Lichtsetzungen und Geschichten, die sich um Themen wie Liebe, Leid und das Ringen um Glück rankten konturierten ein Kleingenre, zu dessen Höhepunkten Filme wie Assunta Spina (1915, Francesca Bertini, Gustavo Serena), Fior di male (1915, Carmine Gallone), Tigre reale (1916, Piero Fosco [d.i. Giovanni Pastrone]) oder Malombra (1917, Carmine Gallone) zählten. 

Literatur: Ochsner, Beate: Dive Divine: Göttinnen des italienischen Stummfilms. In: Italien und Europa: Der italienische Beitrag zur europäischen Kultur. Hrsg. v. Franziska Meier. Innsbruck: Studienverlag 2007, S. 139‑157.
 

Referenzen:

Diva

Divenfilm (2)


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: CA


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