Lexikon der Filmbegriffe

verwunschenes Haus

auch: Spukhaus, Spukzimmer; engl.: haunted house

Das verwunschene Haus ist ein Motiv der phantastischen Literatur, das sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute und auch vom Film schon früh adaptiert wurde (etwa in Buster Keatons Kurzfilm The Haunted House, 1USA 1921, oder in Paul Lenis The Cat and the Canary, USA 1927). Der Handlungsort ist meist von einem Fluch oder einer vergangenen ungesühnten Schuld belastet, um den Preis, dass es Geister beherbergt, im Extremfall selbst zum unheimlichen Akteur der Handlung wird. Für die meist unschuldig-unwissenden neuen Bewohner derartiger Häuser gerät die Stabilität der Alltagswahrnehmungen in Unsicherheit, der Ort ist kein Residuum des Privaten und Intimen mehr, wird überschwemmt von Geschehnissen, die nicht unter der rationalen oder Handlungs-Kontrolle der Bewohner sind. Spukhaus-Geschichten enden entweder mit der Aufhebung des Fluchs, der die Verwunschenheit ausgelöst hat, oder mit der Flucht der Bewohner. Neben eher naiven Grusel-, Parapsychologie- und Gespensterfilmen sowie manchen Komödien sind Filme wie Robert Wises The Haunting (Großbritannien 1962), Roman Polanskis Le Locataire (Frankreich 1976) oder Stanley Kubricks The Shining (USA 1980) Beleg dafür, dass das phantastische Motiv Möglichkeiten einer poetischen Reflexion von Trauer, Schuld, Paranoia und ähnlichem bietet. Noch Alejandro Amenábars The Others (Spanien/USA 2001) nutzt Elemente der Spukhaus-Motivik, um seine düstere Geschichte über Tod und Realität zu erzählen.

Literatur: Curtis, Barry: Dark places. The haunted house in film. London: Reaktion Books 2008 (Locations.). – Keßler, Christian: Der Geist stirbt als letztes: Klassiker des Spukhausfilms. In: Splatting Image, 49, März 2001, S. 17‑22. – McKechneay, Maya: „A house that was born bad“. Inszenierungsstrategien anthropomorpher Gebäude im Haunted-House-Film. In: Maske und Kothurn 53,2/3, 2007, S. 121-134.


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: AS


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