Lexikon der Filmbegriffe

Spukschloss

selten auch: Gespensterschloss

Eine Variante des Gespensterfilms und des Motivs des „verwunschenen Hauses“ spielt in alten Schlössern, auf denen der Schlossgeist sein Unwesen treibt, bevorzugt nachts und bei Unwettern. Meist geht der Spuk auf einen oft jahrhundertealten Fluch zurück, mit dem ein Bewohner belegt worden war. Er kann erst ausgesetzt werden, wenn das Gespenst eine gewisse, oft festliegende Leistung erbringt (z.B. die Liebe einer Frau oder die angstfreie Zuwendung eines Blutsverwandten zu erlangen oder aber eine Heldentat zu vollbringen wie in The Canterville Ghost, USA 1944, Jules Dassin). Das Motiv entstammt der englischen schwarzen Romantik, wie noch in The Terror (USA 1963, Roger Corman) oder in dem TV-Dreiteiler nach Wilkie Collins‘ Roman Die Frau in Weiß (BRD 1971, Wilhelm Semmelroth) deutlich spürbar ist. Es wurde im Film aber auffallend oft als Komödienvorwurf genutzt (etwa in The Ghost Goes West, Großbritannien 1935, René Clair, Besuch aus heiterem Himmel (BRD 1959, Ferdinand Dörfler), Das Spukschloß im Spessart, BRD 1960, Kurt Hoffmann, Fantasmi a Roma, Italien 1961, Antonio Pietrangeli) – dann geht es fast immer um die Überlegenheit des klaren Realitätssinns über den Glauben an die Existenz von Geistern. Die Bedeutung des Motivs ging in den 1960ern zurück.

Literatur: Fowkes, Katherine A.: Giving up the ghost. Spirits, ghosts, and angels in mainstream comedy films. Detroit, Mich.: Wayne State University Press 1998. – Kovacs, Lee: The haunted screen. Ghosts in literature and film. Jefferson, NC [...]: McFarland 1999. 


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: AS


Zurück