Lexikon der Filmbegriffe

Typenkomödie

Als Typenkomödie bezeichnet man eine Klasse oder Ausprägung insbesondere der volkstümlichen Komödie, deren komische Handlung von überzeichneten und/oder standardisierten überindividuellen Figuren‑Typen getragen wird. Im Unterschied zur Charakterkomödie, die auf individuell durchgezeichneten Charakteren mit oft widersprüchlichen Charakterzügen beruht, agieren in der Typenkomödie Figuren, die nicht individuell angelegt sind, sondern als Repräsentanten eines bestimmten Sozial- oder Charaktertypus angelegt sind, Figuren, die fast immer überzeichnete, ja karikierte Figuren, deren ,typische‘ Merkmale betont werden. Von besonderem Belang sind typisierte Felder wie Stand, Beruf oder Funktion, Alter, Geschlecht, familiale Rollen usw. Derartige Typen bilden oft eigene Traditionen aus (wie etwa der freche und bauernschlaue Diener, der gehörnte Alte, der Geizhals oder der Hypochonder), manche sind enger gebunden an historische Phasen (wie der Shyster, der Karrierist, der Dandy oder der Neureiche). Typen werden meist bis zur Karikatur überzeichnet (hinsichtlich Verhalten, Kostüme, sächliche Ausstattung), wirken als solche bereits lächerlich, geraten zudem in Geschichten hinein, die die Begrenztheit und Eitelkeit der (meist selbstauferlegten) Typage entlarven. Derartigen Komödien wurde vielfach vorgeworfen, dass sie reine „Auslachkomödien“ seien und sich auf Kosten der Figuren amüsierten und den Zuschauer in eine überdeutliche Machtposition gegenüber den Figuren versetzten. Elemente der Typenkomödie finden sich in fast allen Spielarten auch der Filmkomödie, insbesondere in Klamaukstücken, Farcen, Klamotten, Burleskkomödien und ähnlichem. Allerdings arbeiten auch viele gesellschaftkritische Satiren mit den Mitteln der Typage, ausgehend davon, dass die „Charaktermaske“ die Impersonifikation gesellschaftlicher Entfremdung sei (wie in der Marxschen Gesellschaftstheorie behauptet).

Literatur: Jochen Hörisch: Charaktermasken. Subjektivität und Trauma bei Jean Paul und Marx. In: Jahrbuch der Jean‑Paul‑Gesellschaft 14, 1979, S. 79-96.
 

Referenzen:

Typage


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: JvH


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