Lexikon der Filmbegriffe

Virage

auch: Viragierung; engl.: tinting; frz.: tintage

Bereits vor der Erfindung des Mehrschichtenfarbfilms gab es farbige Kopien, die mit mehreren Verfahren produziert wurden: (1) Beim der Virage (engl. tinting, frz.: tintage) werden Teile einer Schwarzweißkopie in Bäder mit organischen Farbstoffen gelegt. Die Farbstoffe lagern sich in der Gelatine des gesamten Filmbands an und färben dieses in der gewünschten Farbe ein. Die Virage erkennt man daran, dass bei der Vorführung die transparenten Bereiche des Bildes (Himmel mit Wölkchen, helle Kleidung, Schaumkronen auf dem Meer etc.) die Farbe tragen, während sie auf den dunklen Stellen nicht zu sehen ist. (2) Bei der Färbung (engl. toning, frz. virage) werden schwarzweiße Filmteile ebenfalls in Bäder gelegt. Ein chemischer Prozess tauscht das im Bild enthaltene Silbersalz gegen Farbsalze aus, die u.a. auf der Basis von Schwefel (gelb), Kupfer (rot) oder Eisen (blau) hergestellt wurden. Bei diesem Verfahren sind die vorher dunklen, d.h. silberhaltigen Teile des Bildes nun farbig, während die hellen Stellen (die wenig Silbersalz enthielten) die Farbe kaum angenommen haben. Tinting und toning lassen sich gemeinsam anwenden, wodurch Farbkombinationen entstehen. Bei beiden Prozessen müssen nach dem Trocknen die eingefärbten Teile in der richtigen Reihenfolge aneinander montiert werden, so dass das Endresultat viele Klebestellen aufweist.
In Deutschland wurden Stummfilme bis Mitte der 1920er Jahre auf diese Weise farbig gemacht; danach erhielten fast ausschließlich nur noch Nachtszenen eine blaue Einfärbung (tinting-Methode), damit diese als solche eindeutig zu erkennen waren.

Literatur: Usai, Paolo Cherchi: The color of nitrate: Some factual observations on tinting and toning manuals for silent films. In: Silent film. Ed. and with an introd. by Richard Abel. New Brunswick, N.J.: Rutgers University Press 1996, S. 21-30 (Depth of Field Series.).


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: SL


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