Lexikon der Filmbegriffe

Interbildlichkeit


auch: Interpiktorialität, Interikonizität, Interpiktorialität, Intervisualität; mit Blick auf die Verwandtschafts- und Beziehungsverhältnisse zwischen Bildern abgeleitet von Intertextualität und von Intermedialität


 


Ähnlich wie das Modell der Intertextualität davon ausgeht, dass die Bedeutung resp. Bedeutungsvalenz  von Texten aus ihrer Verflochtenheit mit anderen Texten der Kultur entsteht und nicht dem Text allein zugewiesen werden kann, verfolgt die Annahme der Interbildlichkeit Bezüge von visuellen Darstellungen, die der Bedeutungskonstitution wesentlich sind. Es sind neben dem unmittelbaren Zitat vor allem parodistische Beziehungen von Bildern zu Bildern. Der Reigen der Formen reicht auch oder besonders im Film von der Zitierung signifikanter Gesten (etwa des hochfliegenden Rocks Marilyn Monroes) und prägnanter Figurenkonstellationen (wie z.B. des Abendmahls oder der Pietà) über die Gestaltähnlichkeit von Figuren (man denke an Aussehen und Gestenrepertoire Elvis Presleys oder James Deans) bis zu propagandistischen Diffamierungen gegnerischer Bilder oder Filme (etwa in manchen Techniken der Collage). Doch auch stilistische Anlehnungen an Epochen und Dramaturgien des Visuellen nutzen die intertextuellen Beziehungen zur eigenen Semantisierung (wie etwa die Rückenfigur der romantischen Malerei oder Einstellungsfolgen wie die des Duschenmordes aus Hitchcocks Psycho, 1960). Die Interbildlichkeits-Konzeption steht in der Nähe des älteren kunstwissenschaftlichen Paradigmas der Ikonographie – auch hier geht es um das Auffinden von Bildmotiven, Bildreihen, Stilanlehnungen u.ä., weshalb sie von manchen als modische Neuformulierung älterer Verfahren der Bildanalyse abgelehnt wird.

Literatur: Isekenmeier, Guido (Hrsg.): Interpiktorialität. Theorie und Geschichte der Bild‑Bild‑Bezüge. Bielefeld: Transcript 2013. – Rose, Margaret A.: Parodie, Intertextualität, Interbildlichkeit. Bielefeld: Aisthesis 2006. – Zuschlag,  Christoph: Auf dem Weg zu einer Theorie der Interikonizität. In: Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Hrsg. v. Silke Horstkotte u. Karin Leonhard. Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2006, S. 89-99.


Referenzen:

Intertextualität


Artikel zuletzt geändert am 19.05.2014


Verfasser: KB


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