Lexikon der Filmbegriffe

zeitbasierte Medien

engl.: time-based media; in engerem Verständnis auch: time-based art (TBA); der Begriff wurde wohl zum ersten Mal 1972 von dem englischen Videokünstler David Hall 1972 gebraucht, wurde aber erst im Rahmen der Videokunst-Ausstellungen populär

Viele Ausdrucksformen des Menschen sind zeitbasiert – von der Sprache über die Musik, vom Theater bis zum Radio, vom Film bis zur Performance-Kunst. Treten Medien als eine Repräsentation zwischen Performance und Rezeption, werden also die Aufführungen technisch aufbewahrt und die flüchtigen Akte wiederholter Rezeption zugänglich, spricht man von zeitbasierten Medien. Das ist einerseits von archivalischem und wissenschaftlichem Interesse (damit lassen sich Aufführungen aufbewahren und aus der Kette der alleinigen Rezeptionsberichte herausbrechen; und für Bühnenereignisse wird eine dokumentgeführte Aufführungsanalyse möglich), führt andererseits zu Kunstformen, die die Gestaltung der Zeit zu ihrem Kernanliegen machen. In einem weiten Sinne gehört der Film zu den zeitbasierten Medien; im engeren Sinne werden Videokunst, Ton-Dia-Show, Installationen oder auch computergestützte oder -geführte Spielszenarien dazugerechnet. Vor allem interaktive Handlungsszenarien, die den Rezipienten als Akteur in einem technisch-medial vorformatierten Handlungsraum konstruieren, sondern lassen sich in ihren verschiedenen Verlaufsformen dokumentieren. In der Medientheorie wurde vor allem der Archiv-Aspekt derartiger Medien herausgearbeitet.

Literatur: Ernst, Wolfgang: Das Gesetz des Gedächtnisses. Medien und Archive am Ende (des 20. Jahrhunderts). Berlin: Kadmos 2007.


Artikel zuletzt geändert am 19.05.2014


Verfasser: JH


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