Lexikon der Filmbegriffe

Éclair

1907 wurde  Établissements cinématographiques Éclair als Filmproduktionsfirma von Charles Jourjon in  Epinay‑sur‑Seine gegründet. Die Firma (mit Kameramännern wie  Lucien Andriot, Arthur Edeson, René Guissart) arbeitete sehr erfolgreich; schon 1911 gründete man in Fort Lee, N.J. eine amerikanische Niederlassung. 1912 nahm man die Herstellung von professionellen Filmkameras in das Firmenprogramm auf, die schnell zum eigentlichen Firmenprodukt wurde. Die „Gillon“-Kamera mit einer prismatischen Scharfstellung gehörte zu den ersten Kameras. Um 1920 stellte man die von Jean Méry entwickelte Kamera ,Caméréclair‘ vor, die schnell zur Konkurrenz für die marktbeherrschende Debrie-Parvo wurde. 1927 folgte die ,Camérette Éclair‘, die eine 300m-Kassette aufnehmen konnte und die sich vor allem als Kamera für Wochenschau-Photographen und Reportagen durchsetzte, aber auch von reichen Amateuren verwendet wurde. 1932 kam die ,Caméréclair Radio‘ (nach 1937: Caméréclair Studio) auf den Markt, die synchrone Tonaufnahmen auf einem zweiten Filmstreifen machen konnte. In den 1930ern übernahm Jourjons Schwiegersohn Jacques Mathot die Firmenleitung, unterteilte sie in die beiden Bereiche Kopierwerk und Kamera. Nach dem Krieg war die Firma mit der 35mm-Kamera ,Caméflex‘ (auch: Camérette) am Markt, die eine der robustesten Spiegelreflex-Filmkameras geblieben ist, die sowohl als Schulter- wie als Stativkamera verwendbar war. Hier wurde eine strikte Trennung von Kamera und Magazin vollzogen. 16mm- oder 35mm-Magazine konnten blitzschnell bei laufendem Kamera-Motor gewechselt werden, weil Schlaufe und Andruckplatte in das Magazin integriert waren. André Coutant entwarf die legendäre 16mm-Kamera ,Éclair NPR‘, die das Kassettenprinzip der Caméflex übernahm; sie kam 1963 auf den Markt und setzte sich in der ganzen Welt schnell als eine der wichtigsten Synchron-Tonkameras der neuen Dokumentaristen (v.a. der Cinéma-Vérité-Bewegung) und der unabhängigen Filmemacher durch. Ende der 1960er ging man an die Entwicklung einer neuen, leichteren 16mm-Kamera, und es entstand die ACL (das ist ein Akronym aus den Initialen der Entwickler Austin Coma und Jacques Lecoeur). Obwohl die Kamera eine der besten wurde, die je gebaut wurden, wurde Eclair 1972 an den englischen Produzenten Harry Saltzman verkauft, die Reste der Firma übernahm der Kamerahersteller Aaton. Das Eclair-Kopierwerk existiert bis heute.

Literatur: Lenk, Sabine: Lichtblitze. Prolegomena zur Geschichte der französischen Filmproduktionsgesellschaft Eclair im Deutschen Reich und in der K.u.K.Monarchie Österreich‑Ungarn. In: KINtop, 1, 1992, S. 29‑57. – Griffithiana, 47, 1993: The Eclair Film Company, 1907‑1920. – La Révue 1895, 12, 1992: Éclair 1907‑1918, hrsg. v. H. Bousquet u. L. Mannoni.


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: JH


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