Lexikon der Filmbegriffe

Eventisierung

engl.: eventisation

Das Konzept der Eventisierung entsprang dem Marketing und bezeichnete dort außergewöhnliche Veranstaltungen mit Ereignischarakter, mit dem Ziel, Produkte, Marken oder Institutionen emotional aufzuladen. In der Soziologie wurde der Begriff heimisch, als erste Untersuchungen zur „Erlebnisgesellschaft“ vorlagen, die zeigten, dass sich Individuen in spätkapitalistischen Gesellschaften zunehmend von tradierten Formen des Feierns lösen und nach individuierten Anlässen suchen, die ihnen Vergnügen und Spaß bereiten und den Rang von „Erlebnissen“ einnehmen. Es wurde eine „Verspaßung“ immer weiterer Bereiche des sozialen Lebens sichtbar, die sich in der Anreicherung kultureller Traditionsveranstaltungen mit zusätzlichen Verlustierungselementen wie aber auch durch strategische Neuschöpfungen von Unterhaltungsformaten manifestierte, sich dabei zunehmend von den sozialen Einbindungen der Formate lösend und immer diffusere Adressatengruppen ansprechend. In nahezu allen diesen Neuformatierungen tritt das Individuum als Konsument auf, gewinnt seine Erlebnisse also in einem Warenformat. Zu den Merkmalen eines Events rechnen ihre Einzigartigkeit, ihr episodenhafter Aufbau, die durch das Eventinduzierte Gemeinschaftlichkeit der Konsumierenden, das hohe Maß an Aktivität und Beteiligung, das den Event-Teilnehmern angeboten wird, und die allenthalben spürbare Erlebnisorientierung aller Angebote. Eventisierung umfasst die dramaturgische Inszenierung von Identifizierungs‑ und Vergemeinschaftungsanlässen gleichermaßen. Ob derartige Versammlungsformen, die auch die öffentliche Selbstdarstellung der Film- und Kinokultur betrifft (von Previews über Premierenfeiern bis zu Fetivals und Preisverleihungen), eine Form der Kommerzialisierung von Kultur ist und die konsumistische Grundorientierung der Subjekte verstärkt, ob sie zu einem Element der Aneignung vor allem urbaner Räume und der Hervorbringung lokaler, subkultureller, nationaler oder gar kontinentaler Identität wird oder ob sie auch Formen der Selbstverwirklichung eröffnet, gar emanzipative Potentiale umfasst, ist strittig.

Literatur: Pfadenhauer, Michaela: Ereignis – Erlebnis – Event. In: Bockhorst, Hildegard / Reinwand, Vanessa-Isabelle / Zacharias, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch kulturelle Bildung. München: Kopaed 2012, S. 220-226. – Betz, Gregor / Hitzler, Ronald / Pfadenhauer, Michaela (Hrsg.): Urbane Events. Erlebniswelten. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011.


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


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