Lexikon der Filmbegriffe

Intonarumori

ital.: Geräuscherzeuger

Der italienische Maler und Komponist Luigi Russolo, der dem Futurismus zugerechnet wird, veröffentlichte 1913 das musikalische Manifest L'arte dei rumori (= Die Kunst der Geräusche), in dem er sich mit der Behandlung von Geräuschen in der Musik befasste. Er ging aus von den soundscapes moderner Großstädte und Maschinen. Die sechs Gruppen von „Geräusch“, die er unterschied und für die er mechanische Klangerzeuger baute, sind auch für die Untersuchung des Sound-Designs von Filmen von Bedeutung: (1) Getöse, Donner, Knall-Laute, Brausen; (2) Pfeifen, Blasen, Prusten; (3) Wispern, Murmeln, Grummeln, Gurgeln; (4) Kreischen, Quietschen, Brummen, Knistern, Schaben; (5) Geräusche, die beim Schlagen auf Metall, Holz, Steine, Fell, Gefäße etc. entstehen; (6) die Stimmen von Tieren und Menschen, Rufe, Schreie, Klagen, Johlen, Heulen, Röcheln, Schluchzen. Der Film La marche des machines (Frankreich 1927, Eugene Deslav) enstand nach einer Komposition von Russolo. Seine Schrift wurde nicht nur von der englischen Popgruppe Art of Noise in den 1980ern wiederaufgenommen, sondern stand auch im Hintergrund von Arthur Honeggers an den Klang einer Lokomotive erinnernde Musik Pacific 231 (1923-24), die von Jean Mitry für den Film adaptiert wurde (Frankreich 1949). Vor allem die von George Antheil komponierte Musik zu Fernand Légers Film Ballet mécanique (Frankreich 1924) fußte auf den Sound-Theorien von Russolo; die Komposition ist fast doppelt so lang wie der Film und wird gelegentlich auch separat aufgeführt.

Literatur: Russolo, Luigi: Die Kunst der Geräusche. Mainz: Schott 2005. Zuerst ital., 1913. – Chessa, Luciano: Luigi Russolo, futurist. Noise, visual arts, and the occult. Berkeley [...]: University of California Press 2012.


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


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