Lexikon der Filmbegriffe

3D-Kinematographie

engl.: stereoscopy; stereoscopic cinematography; stereographic cinematography; 3D-cinematography; 3D

Der Mensch sieht räumlich, weil die nebeneinanderliegenden Augen, jedes für sich, gleichzeitig ein Bild sehen (genannt stereopsis). Aus dem Abstand der Augen und der Differenz der beiden Netzhautbilder errechnet das Gehirn den Eindruck einer dreidimensionalen Welt. Fotografisch lässt sich mit verschiedenen Verfahren ein Wahrnehmungseindruck erzeugen, der die Zweidimensionalität des fotografischen Bildes in einen dreidimensionalen Wahrnehmungseindruck umsetzt. Nötig ist in aller Regel das Vorhandensein zweier Bilder, das die Differenz der beiden Netzhautbilder der stereoptischen Wahrnehmung reproduziert.


(1) In den stereoskopischen Verfahren werden zwei separate Bilder den Augen zugänglich gemacht, deren Differenz zum Eindruck der Dreidimensionalität umgesetzt wird. (2) Bei den anaglyphischen Verfahren werden zwei Halbbilder in Komplementärfarben dargeboten, die in einem einzigen Bild verschmolzen sind und künstlich durch eine Brille wieder zerlegt werden müssen; Brillen haben unterschiedlich gefärbte Gläser (rot/grün oder rot/blau) und erfassen nur die Informationen, die für das jeweilige Auge bestimmt sind. Die Verfahren sind nur für Schwarzweißfilme geeignet. (3) Die bei den Polarisationsverfahren verwendeten Polarisationsfolien lassen das Licht nur in einer Wellenrichtung durch. Die zur Besichtigung nötigen Brillen sind auf beiden Augen um 90 Grad gegeneinander verdreht, so dass auch hier zwei unterschiedliche Halbbilder für stereoptisches Sehen unabdingbar sind. (4) Die Pulfrich-Verfahren basieren auf der Eigenschaft des menschlichen Sehvermögens, hellere Gegenstände schneller als dunklere wahrzunehmen; wird ein Auge mit einem Filter etwas abgedunkelt, so sieht es eine Szene zeitlich später als das andere Auge; es entsteht der Eindruck räumlicher Tiefe. (5) Bei den Linsenrasterverfahren werden hinter ein Streifenraster, das wie eine Linse eine halbrunde Form aufweist, die verschiedenen Teilbilder als dünne Streifen projiziert oder gedruckt; das Auge sieht dann je nach Betrachtungswinkel immer nur einen Streifen, wodurch ein stereoskopisches Sehen möglich wird; das Verfahren hat den großen Vorteil, dass die Bildbetrachtung ohne zusätzlich Hilfmittel möglich ist und auch Farbbilder angeschaut werden können, jedoch ist es technisch sehr aufwendig.

Literatur: Peter A. Hagemann: Der 3D Film. München: Monika Nüchtern 1980. – Hayes, R.M.: 3-D movies. A history and filmography of stereoscopic cinema. Jefferson, N.C./New York/London: McFarland/St. James 1989. – David Hutchinson: Fantastic 3-D. London: Starlog Press 1982. – Lipton, Lenny: Foundations of the Stereoscopic Cinema. A study in depth. New York [u.a.]: Van Nostrand Reinhold 1982.

Referenzen:

Imax-3D-System

Imax Rides

Iwanow-Verfahren

Nuoptix-Verfahren

Pulfrich-Effekt

Stereoskop

Stereoskopie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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