Lexikon der Filmbegriffe

pornochanchada

Kofferwort aus portug.: pornô (= Porno) und chanchada (= Boulevardstück)

Als pornochanchada wird eine brasilianische Variante des Softsexfilms bezeichnet, die in den 1970ern und frühen 1980ern ein breites Publikum fand. Diverse Low-Budget-Produktionen aus einem heruntergekommenen Viertel São Paulos (oft Boca do Lixo [= „Schmutzmund“] genannt); später kamen Produktionsstätten in Rio de Janeiro dazu. Viele Darstellerinnen der Filme (wie etwa Aldine Müller, Sandra Bréa, Monique Lafond oder Nádia Lippi) arbeiteten nach der Welle der pornochanchadas nicht nur in Mainstream-Filmen mit, sondern vor allem in Telenovelas.Der Produzent, Schauspieler und Regisseur David Cardoso wurde zum Symbol des brasilianischen Machismo. Weil die Filme keine expliziten Sexszenen enthielten, waren sie mit den Zensurbestimmungen der Militärregierung kompatibel, konnten sogar Förderung der Embrafilme in Anspruch nehmen. Mit dem Aufkommen der Videokassetten und der Verfügbarkeit explizit pornographischer Filme, aber auch mit dem Ende der Militärdiktatur (1985) und der Lockerung der Zensurbestimmungen ging das Interesse an pornochanchadas rapide zurück. Zu den wichtigsten Filmen zählen A Árvore dos Sexos (1977, Silvio de Abreu), Histórias Que Nossas Babás Não Contavam (1979, Oswaldo de Oliveira) und Mulher Objeto (1981, Sílvio de Abreu). Allerdings sind die Grenzen nicht fest – selbst Filme wie Bye Bye Brasil (1980, Carlos Diegues) wurden als Sexfilme ausgewiesen.

Literatur: Dennison, Stephanie: Sex and the generals: reading Brazilian pornochanchada as sexploitation. In: Latsploitation, exploitation cinemas, and Latin America. Ed. by Victoria Ruétalo & Dolores Tierney. New York: Routledge 2009, S. 230-244. – Shaw, Lisa / Dennison, Stephanie: Brazilian national cinema. London/New York: Routledge 2007.


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: JvH


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