Lexikon der Filmbegriffe

udigrudi

brasil. Verballhornung des engl.: underground; volkstümliche Alternativbezeichnung für: cinema marginal

Als udigrudi werden Filme und Musikstücke bezeichnet, die in Brasilien in der Zeit um und nach 1968 entstanden und die mit meist von Laien gespielten Figuren, die weder Ziele noch Probleme hatten und fast immer dem Subproletariat entstammten, auf die Zeit der härtesten Repressionen der Militärdiktatur reagierten. Die Filme wurden sowohl von den Zensurbehörden drangsaliert wie auch vom normalen Verleih ausgeschlossen. Filme wie A Margem (1967, Ozualdo Ribeiro Candeias) oder Macunaíma (1969, Joaquim Pedro de Andrade) brachen mit den Konventionen des normalen Erzählkinos, kultivierten einen Stil der Machtlosigkeit, des Hungers und der Armut, reklamierten diesen sogar als authentischen Ausdruck des Films der Dritten Welt gegen denjenigen der Industrieländer. Tabubrüche, das Schockieren des bürgerlichen Publikums, eine exaltierte Zelebrierung schlechten Geschmacks verbunden mit hoher Selbstreflexivität kennzeichnen die Filme des udigrudi als spezifische Ausformung des exploitativen Kinos (und sie werden von vielen als besonders explizite Form der latsploitation angesehen).

Literatur: Johnson, Randal / Stam, Robert: Brazilian cinema. Exp. Ed. New York: Columbia University Press 1995. – Stam, Robert: Tropical Detritus: Terra em transe, Tropicalia and the Aesthetics of Garbage. In: Studies in Latin American Popular Culture 19, 2000, S. 83-92.


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: CA


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