Lexikon der Filmbegriffe

Pointe

von frz.: pointe = Spitze, Stachel, Schärfe; ursprünglich aus spätlat.: puncta = Stich; engl.: point, punch line

Als Pointe bezeichnet man in der Literaturtheorie einen überraschenden und geistreichen Schlusseffekt als Stilfigur in einer meist kurzen Erzählung oder als überraschende Wendung in einer dramatischen Handlung. Der zumeist komische Effekt der Pointe basiert auf der plötzlichen Erkenntnis von sinnstiftenden Zusammenhängen zwischen nicht zusammenpassenden Konzepten oder auf dem Zwang, vorliegende Elemente in neue Sinnzusammenhänge einzubringen. Insofern finden sich auch im Film Pointen auf allen Ebenen der Erzählung – auf Dialogwitzen, auf szenischen Sinndrehungen wie aber vor allem auch bei Schlüssen (vor allem den sogenannten twist endings), die den Zuschauer dazu zwingen, den Kontext der vorangegangenen Geschichte neu zu ordnen. Zu den bekanntesten Beispielen narrativer Schluss-Pointen zählen The Sting (USA 1973, George Roy Hill) und The Usual Suspects (USA 1995, Bryan Singer).

Literatur: Stroszeck, Hauke: Pointe und poetische Dominante. Deutsche Kurzprosa im 16. Jahrhundert. Thesen. Frankfurt: Vowinckel 1970. – Wenzel, Peter: Von der Struktur des Witzes zum Witz der Struktur. Untersuchungen zur Pointierung in Witz und Kurzgeschichte. Heidelberg: Winter 1989. – Müller, Ralph: Theorie der Pointe. Paderborn: Mentis 2003. – Hecken, Thomas: Witz als Metapher. Der Witz‑Begriff in der Poetik und Literaturkritik des 18. Jahrhunderts. Tübingen: Francke 2005.

Referenzen:

gag line

Knalleffekt

punch line


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


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