Lexikon der Filmbegriffe

Persona

von lat.: personare = hindurchtönen

(1) Persona war die Bezeichnung für die Maske, die die Schauspieler im klassischen Theater trugen und mittels derer sie einen klaren Hinweis auf den Figurentypus gaben. Daraus abgeleitet ist die Rede von den dramatis personae (= Figuren des Dramas), womit die Liste der an einem Spiel Beteiligten bezeichnet wird. Die Masken dienten darüber hinaus dazu, die Gefühle ihrer Rollen besser zum Ausdruck zu bringen. Zudem waren ihre Mundöffnungen spezifisch ausgeformt und konnten als eine Art Schalltrichter die Lautstärke des Gesprochenen verstärken.

(2) Im Sinne der „Maske“ oder „Charaktermaske“ werden auch Kunstfiguren bezeichnet, die symbolische Eigenständigkeit gewinnen und manchmal die Persönlichkeit des Schauspielers überlagern oder gar verdrängen. Personae dieser Art finden sich in allen Bereichen der Populärkultur. Beispiele sind die Persona des „Monsieur Hulot“ (= Jacques Tati), des „Ziggy Stardust“ (= David Bowie) oder der „Mutter Beimer“ (= Marie-Luise Marjan).

(3) C.G. Jung übertrug den Begriff der Persona in die Tiefenpsychologie und bezeichnete damit denjenigen Teil des Ichs, der für ein normatives, sozialverträgliches Verhalten des Individuums gegenüber seiner Umwelt sorgt. Zu starke Anpassung des Ichs an die Verhaltenserwartungen der Sozialwelt führt zu einer konflikthaften Spannung zwischen als „äußeren bewussten Charakter“ im Gegensatz zum „inneren unbewußten Charakter“ (animus vs. anima). Unter Persona versteht Jung das „kollektive Ich“ bzw. die „äußere Persönlichkeit“, wogegen das „innere Ich“ („Seele“) steht. Überwiegen die kollektiven Zwänge, verändert sich die Figur zu einem „Massenmenschen“, überwiegen die individualistischen, entsteht ein „Einzelgänger“. Je nach weiterer Bestimmung der Beziehungen zwischen Kollektiva und Individualia lassen sich eine ganze Reihe von dramatischen Typen benennen (der Held = Anerkennung als gesellschaftliches Vorbild, Erlöser =  Anerkennung als moralisches oder religiöses Ideal, Rächer = bewusstes Handeln gegen die kollektive Moral, Märtyrer = Opfer der kollektiven Moral, Ausgestoßener, Vamp = habituelle und gefühlsmäßige weibliche Einstellung gegen die herrschende intellektuelle männliche Einstellung, etc.).

(4) auch: buyer persona

Mit dem Modell der personas (auch: persona artefacts)werden im Marketing, in der Mensch-Computer–Interaktion und im Web-Design Personen einer Zielgruppe bezeichnet, die über Ziele und routinisierte Verhaltensweisen, Vorlieben und Erwartungen gekennzeichnet sind, die wiederum in empirischen Nutzer- oder Nutzungsanalysen mit realen Nutzern in Verbindung gebracht werden können.


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: AS KB HHM


Zurück