Lexikon der Filmbegriffe

3D-Kinematographie: Polarisationsverfahren

Das sogenannte Polaroid-System basiert auf der Polarisierung des Lichtes – eines der beiden Teilbilder der stereopsis wird waagerecht, das andere senkrecht polarisiert. Die Tatsache, dass man Doppelbilder gegeneinander durch Polarisation abschirmen kann, wurde 1891 durch Anderson erstmals beschrieben. Auf den Film wurde das Verfahren in den 1930er Jahren übertragen; am 5.12.1937 führte der Produzent Fritz Boehner im Berliner Ufapalast den ersten plastischen Film mit dem bezeichnenden Titel Zum Greifen nah vor. Ungefähr gleichzeitig mit Smiths anaglyphischen Film Audioscopiks wurde in Italien der auf dem Polarisationsprinzip fußende 3D-Tonfilm Nozze Vagabonde (1936) vorgestellt. Am 27.5.1937 wurde auf der Gartenschau in Dresden ein erster 3D-Farbfilm präsentiert. Ende 1937 ließ die Volksfürsorge-Lebensversicherung AG einen 3D-Werbefilm in Farbe für die Präsentation mit Hilfe von Polarisationsfolien produzieren. Und im Jahr 1939 präsentierte Chrysler Automobile Company auf der Weltausstellung in New York einen 3D-Werbefilm mit Polarisationsfolien (Motor Rythm). Zu einer breiteren Nutzung kam es aber erst, als anfangs der 1950er Jahre Natural Vision vorgestellt wurde, ein Verfahren, das auf einem Zweibilder-Auszug nach dem Muster der Polarisationsbilder basierte, die Edwin H. Land für seine spätere Firma Polaroid entwickelt hatte. Um den Film ansehen zu können, benutzte der Zuschauer Polarisations-(„Polaroid-“)Brillen statt der üblichen Rot-Grün-Brillen. Außerdem waren metallisierte Leinwände nötig, die das polarisierte Licht der Projektoren auch reflektieren konnten. Anders als bei den Anaglyphenverfahren, bei denen die beiden Teilbilder in ein gemeinsames Projektionsbild zusammenkopiert wurden, müssen die Teilbilder im Polaroid-Verfahren erhalten bleiben und einzeln durch die beiden Polarisationsfilter projiziert werden. Eine Projektion mit zwei Projektoren („Zweibandverfahren“) war problematisch, weil ihre Synchronisation höchst anfällig war. Darum wurden die beiden Teilbilder auf dem gleichen Filmstreifen untergebracht („Einbandverfahren“), was jedoch dazu führte, dass man das Seitenverhältnis nur erhalten konnte, wenn man die beiden Bildflächen verkleinerte (was wiederum zu Qualitätsverlusten führte). Darum wurden die Bilder um 90 Grad „gedreht“ und mussten für die Projektion wieder in die normale Lage des Filmbildes rotiert werden.


Artikel zuletzt geändert am 10.12.2011


Verfasser: JH


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