Lexikon der Filmbegriffe

historische Referenzbilder

Die historischen Referenzbilder sind der Gruppe der (visuellen) Ikonen zuzuordnen, erfüllen jedoch nicht alle Kriterien der Bildikonen: Sie bieten einen Anknüpfungspunkt zu einem historischen Ereignis/Objekt/Phänomen der Zeitgeschichte. Es sind Bildkonglomerate, die eine Gruppe von ähnlichen Bildern umfassen, die einander sehr ähneln und bei denen sich nicht ein einzelnes hervorgehobenes Bild ausmachen lässt. In ihrer Eigenart repetieren diese Bilder bestimmte (ikonologische) Topoi, die dem Betrachter aus der vor allem christlichen Ikonologie bekannt sind. Derart sind sie Verdichtungen, die sich insbesondere dadurch auszeichnen, dass sie eine Kernmitteilung verkörpern. Der Begriff wurde von dem Kunsthistoriker Martin Hellmold 1999 eingeführt, um auf die 'ikonologischen Kontinuitätslinien' und entsprechende, bekannte Darstellungsmuster hinzuweisen. Hierbei geht es dann insbesondere um die, durch die Bildanalyse zu betrachtenden Kategorien wie Kinesik, kunstgeschichtliche Vorbilder/Entlehnungen, Pathosformeln, etc.

Literatur: Grittmann, Elke / Ammann, Ilona: Ikonen der Kriegs- und Kriesenfotografie. In: Diess ./ Neverla, Irene (Hrsg.): Global, lokal, digital – Fotojournalismus heute. Köln: Herbert von Harlem 2008, S. 296-325. – Hellmold, Martin: Warum gerade diese Bilder? Überlegungen zur Ästhetik und Funktion der historischen Referenzbilder moderner Kriege. In: Thomas F. Schneider (Hrsg.): Kriegserlebnis und Legendenbildung. Das Bild des 'modernen' Krieges in Literatur, Theater, Photographie und Film [Bd. 1]. Osnabrück: Universitätsverlag Rasch 1999, S. 34-50. – Paul, Gerhard (2008): Der Bilderatlas – Ein Streifzug durch unser kulturelles Gedächtnis. In: Ders. (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder. [Bd.2: 1949 bis heute]. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2008, S. 9-13.

Referenzen:

ikonische Bildcluster


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: IW


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