Lexikon der Filmbegriffe

Begleitfahrt

Begleitfahrt und Begleitschwenk sind die elementarsten Formen objektgebundener Kamerabewegung. Oft im rechten Winkel zur Handlungsachse des sich bewegenden Objekts – einer Figur, eines Tieres, eines Fahrzeugs etc. – fährt die Kamera auf einem Weg, der meist parallel zur Objektbewegung verläuft. Die Kamera kann sich aber auch schneller oder langsamer als das Objekt bewegen. Die Fixierung an das thematische Objekt deutet auf eine klare topikale Funktion der Fahrt (wie auch des Schwenks) hin, die die Kameraoperation mit Elementen der Geschichte verbindet. Dabei kann die Bewegungsrichtung an der Bedeutungsproduktion beteiligt sein (etwa bei Verfolgungsjagden oder bei Annäherungen zweier Objekte). Manche Fahrten arbeiten mit „changierenden Objekten“, fokussieren also z.B. einen Kellner auf dem Weg zum Tisch, springen auf einen Gast über, der zum Ausgang geht und der wiederum aus dem Bild gerät, als ein Fahrradfahrer sich in den Bewegungslauf der Fahrt einschwingt. Gerade derartige Einstellungen ziehen Eigenwert auf sich, weil sie auf die präzise Choreographierung des Geschehens verweisen. Zudem wechselt der thematische Anspruch des Bildes, weil die Bewegung nun nicht mehr auf ein Ziel ausgerichtet, sondern selbst Thema des Bildes geworden ist. Ein berühmtes Beispiel ist die initiale Plansequenz in Orson Welles‘ Touch of Evil (USA 1957), die zwei Handlungsträger alternierend in einer einzigen Begleitfahrt ins Bild nimmt, zudem noch mittels eines Krans die Kamerahöhe dynamisiert.

Literatur: Lohmeier, Anke‑Marie: Hermeneutische Theorie des Films. Tübingen: Niemeyer 1996, S. 104-108.

Referenzen:

Dolly

Fahrt / Fahraufnahme

Katapultkamera


Artikel zuletzt geändert am 29.10.2014


Verfasser: JH


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