Lexikon der Filmbegriffe

LSD-Film

Die sich verselbständigenden visuellen und akustischen Wahrnehmungen nach der Einnahme psychedelischer Drogen waren von Beginn ihrer kulturellen Etablierung als Rauschmittel von Jugend-, insbesondere Hippiekulturen in den 1960ern an eine Herausforderung für Filmemacher, die filmische Ausdrucksmittel dafür suchten. Oft wird The Trip (USA 1967, Roger Corman) als einer der ersten Filme benannt, der mit Farbräuschen, Bildverzerrungen und der Nutzung bedeutungstragender Objekte, Masken und Symboliken versuchte, filmisch der LSD-Erfahrung nachzuspüren. Auch die Rauschszene auf einem Friedhof aus Easy Rider (USA 1969, Dennis Hopper), die ganz auf die schnelle Montage vor allem religiöser Symboliken setzt, gilt als Klassiker der LSD-Drogenerfahrung. In der Regel werden euphorische ebenso wie angsterfüllte Phantasien in den LSD-Szenen illuminiert. Bereits 1968 thematisierte der Horrorfilm Lila (Laila ‑ Vampir der Lust, USA 1968, William Rotsler) eine selten gebliebene Variante, in der LSD als Aphrodisiakum eingesetzt wird und zur Löschung aller sexuellen Hemmungen dient. Als bildgewaltiger Klassiker wird auch O Ritual dos Sádicos (Brasilien 1970, José Mojica Marins), der in einem Experiment vier Studenten LSD verabreicht, um ihre verschiedenen Reaktionen (von Angst bis zu Sexphantasien, Perversion und Sadismus) zu erfassen. Ein neueres Beispiel ist Fear and Loathing in Las Vegas (USA 1998, Terry Gilliam) nach einem Kultroman von Hunter S. Thompson, der von zwei Protagonisten erzählt, die sich ganz und gar dem Drogenkonsum verschrieben haben; der Film visualisiert mit zahllosen Trick- und Deformationstechniken das Überhandnehmen von Wahrnehmungen, die nicht mehr kontrollierbar sind.
Vor allem in Filmen, die in der Rockmusik-Szene spielen, finden sich seitdem immer wieder LSD-Szenen; ein eigentlicher LSD-Film, der thematisch ganz auf die Aneignung der Realität im Modus der Droge abgestellt ist, ist aber selten geblieben.
Erwähnt sei auch der Dokumentarfilm The Substance (Schweiz 2011, Martin Witz) über den Entdecker des LSD, den Chemiker Albert Hofmann, und die wechselhafte Geschichte des Halluzinogens.

Literatur: Benshoff, Harry M.: The short‑lived life of the Hollywood LSD film. In: Velvet Light Trap, 47,2, 2001, S. 29-44. – Blackman, Shane: Drugs as Cultural Commodities: An Analysis of Drugs in Film, Advertisements and Popular Music. In seinem: Chilling Out: The Cultural Politics of Substance Consumption, Youth and Drug Policy. Maidenhead: Open University Press 2004, S. 52-68. – Gallagher, Mark: Tripped Out: The Psychedelic Film and Masculinity. In: Quarterly Review of Film and Video 21,3, 2004, S. 161‑171.


Artikel zuletzt geändert am 29.10.2014


Verfasser: KB


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