Lexikon der Filmbegriffe

Terrorfilm

Der Terrorfilm wird meist als Untergattung des Horrorfilms angesehen, ausgezeichnet durch einen realistischen Reportagestil und den Verzicht auf phantastische Elemente. Filme wie The Last House on the Left (USA 1972, Wes Craven), The Texas Chainsaw Massacre (USA 1974, Tobe Hooper) und The Hills Have Eyes (USA 1977, Wes Craven) brachen mit den Traditionen des Horrors, denen das Freudsche Dogma unterlag, das Böse sei ein wesenhaft „Anderes“ resp. „Fremdes“ – nun kamen die Antagonisten aus der Mitte der Gesellschaft. Sie hatten immer schon in unmittelbarer Nachbarschaft der Helden gelebt, der plötzliche Ausbruch der Gewalt deutet auf eine tiefe Verschiebung von Gewalttätigkeit hin, die aber irgendwann nach außen drängt. Viele Autoren deuten den Eingriff in die Konventionen des Horrors als Antwort auf die Vietnam-Erfahrung und die nun in den Medien fast unbegrenzte Präsenz von Bildern realer Gewalt. Im Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende zeigten Remakes von The Texas Chain Saw Massacre (2000) und The Hills Have Eyes (2006) von Klassikern des Terrorkinos erneut eine Wende im Horrorfilm an – nun von den ironischen Formen postmodernen Horrors hin zu den älteren realistischen Konzepten. Für den Zuschauer wird es möglich, in die ältere Rezeptionshaltung der 1970er „umzuschalten“ (dort spielen die Geschichten, die ihrerseits auf die 1950er rückweisen, wenngleich Accessoires eindeutig in die Jetztzeit gehören), weil aufgrund der historischen Differenz zwischen Film(stil) und Zuschauer eine eigene ästhetische Distanz entsteht: Das Changieren zwischen den Zeitrahmen (time frames) wird zu einer zentralen Rezeptionskategorie. Zudem werden in den neuen Terrorfilmen Formen des Splatterfilms – vor allem das Oszillieren zwischen Opfer- und Täterperspektiven – adaptiert.

Literatur: Lowenstein, Adam: Shocking Representation. Historical Trauma, National Cinema, and The Modern Horror Film, New York: Columbia University Press 2005. – Schäfer, Jerome Philipp: Der Schwarze Monismus. Zeitgenössische Terrorfilme im Kontext von Raoul Eshelmans Performatism, or the End of Postmodernism. In: Medienobservationen, 24.3.2009, URL: http://www.medienobservationen.lmu.de/artikel/kino/kino_pdf/schaefer_monismus.pdf. – Schaefer: Jerome P.: Im Netz der Gewalt: Der Terrorfilm zwischen Horror, Zeitgeschichte und medialer Berichterstattung. In: Arcadia. International Journal for Literary Studies 45,1, 2010, S. 191‑214.


Artikel zuletzt geändert am 29.10.2014


Verfasser: HJW


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