Lexikon der Filmbegriffe

Berkeley Girls

Busby Berkeley gilt nicht nur als einer der bedeutendsten Choreographen der klassischen Phase des amerikanischen Revuefilms, sondern auch als derjenige, der wie kein anderer die Tänzer und insbesondere Tänzerinnen zu ornamentalen Mustern arrangierte, die er wiederum aus Kamera-Perspektiven filmte, die sich ganz auf das Figural-Geometrische seiner Bühnenarrangements konzentrierte. Um die Aufmerksamkeit von aller Individualität der Tänzerinnen abzulenken, engagierte er eine große Gruppe von jungen Frauen, die einander auffallend ähnelten. Man nannte diese Gruppe Berkeley Girls. Dass er mit dieser Strategie eine Anonymisierung der Bühnenakteure vornahm, war einer der Ansatzpunkte der Kritik an der verdeckten Politik des Sexuellen dieser Art der Inszenierung.
Berkeley hatte seine Tänzer und Tänzerinnen zunächst in production sequences für Filme choreographiert, für die er nicht selbst Regie führte, bevor er ganze Filme für Warner Bros. inszenierte. Als ein Meisterstück seiner Arbeit gilt die fast viertelstündige Sequenz „Lullaby of Broadway“ aus seinem Film Golddiggers of 1935 (USA 1935), in dem Tänzer und Tänzerinnen in fast militärisch anmutenden Formationen auf einer Riesenbühne agierten (Berkeley hatte auch als Sergeant in einer Ausbildungskompanie der US-Armee gedient). Andere berühmte Tanzszenen finden sich in Golddiggers of 1933 (1933) und Footlight Parade (1933); doch noch in Berkeleys Farbfilmen für MGM wie The Lady in the Tutti Frutti Hat (1943) finden sich Szenen, in denen er seine Girls-Gruppe in Mustern der 1930er-Filme inszenierte.

Literatur: Brinckmann, Christine N.: Busby Berkeleys Montageprinzipien. In: Hans Beller (Hrsg.): Handbuch der Filmmontage. München: TR-Verlagsunion 1993, S. 204‑220. – Mellencamp, Patricia: Sexual Economics: Gold Diggers of 1933. In: Hollywood Musicals, The Film Reader. Ed. by Steven Cohan. London/New York: Routledge 2002, S. 65‑76.

Referenzen:

Girlkultur


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: CA


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