Lexikon der Filmbegriffe

Enthauptungsvideos

engl.: decapitation videos, decollation videos

Als eine politisch instrumentalisierte Spielart der Snuff-Filme wurden Enthauptungen von symbolischen Repräsentanten der Gegenmacht durch islamistische Terrorgruppen videographiert und im Netz weltweit zugänglich gemacht. Eines der ersten Beispiele ist die Hinrichtung des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl in Pakistan (2002), die von Michael Winterbottom dramatisiert wurde (A Mighty Heart, Großbritannien/USA/Indien 2007). Weltweite Aufmerksamkeit und entsetzte Ablehnung erlangte die in allen Details videographierte Enthauptung des amerikanischen Geschäftsmannes Nicholas Berg (2004) durch ein Terrorkommando der El-Qaida im Irak, angeblich als Protest gegen die Geschehnisse im Gefängnis von Abu-Ghuraib; Berg war zudem in die orangefarbenen Overalls gekleidet, die die Gefangenen der US-Armee in Guantanamo tragen müssen. Auch in den Nahost-Kriegen der Folgezeit wurden rohe Videos gedreht (wie etwa die des Franziskaner-Mönchs François Mourad im Juni 2014 im Nord-Irak).
So deutlich die symbolischen Elemente der Enthauptung Bergs schon waren, haben die Terroristen der Gruppe Islamischer Staat (IS/ISIS) die propagandistische Qualität der Enthauptungsvideos weiter perfektioniert, weil sie auf die explizite Darstellung verzichten und mit Leerstellen arbeiten, die die Phantasie der Betrachter ansprechen; die Inszeniertheit des Geschehens ist offensichtlich. Ein Beispiel ist der Mord an dem amerikanischen Kriegsberichterstatter James Foley im August 2014; zwar versuchten die Videoplattformen im Netz, möglichst schnell das Video zu sperren, doch wurde es massenhaft verbreitet. Die Frage allerdings, ob dieses und andere Enthauptungsvideos tatsächlich von Terroristen hergestellt wurden oder von Firmen im Auftrag des US-Militärs, die ob des allgemeinen und öffentlichen Entsetzens gegen den islamistischen Terror moralisch aufzurüsten gedachten (also Propaganda im genau gegenläufigen Sinn betrieben), ist ungeklärt.
Eigene Aufmerksamkeit verdienen wiederum im Netz verbreitete Videos, die Internetnutzer dabei zeigen, wie sie Enthauptungsvideos online sehen, weil die Motivation der Videographen nur schwer entschlüsselbar ist.

Referenzen:

snuff


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: JvH


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