Lexikon der Filmbegriffe

Konformitätsdruck

Basierend auf Experimenten des Sozialpsychologen Solomon E. Asch, der in einem Wahrnehmungsexperiment, in dem es um die Beurteilung der Länge von gezeichneten Linien ging, beobachtet hatte, dass nur ein Viertel seiner Probanden auf das eigene Wahrnehmungsurteil vertrauten; die anderen schlossen sich dem falschen und an der eigenen Wahrnehmung nicht nachvollziehbaren Urteil anderer Probanden an, die dazu instruiert waren, steif und fest das falsche Urteil beizubehalten. Eine ganze Reihe von Rezeptionseffekten lassen sich ebenso mit dem Modell des Konformitätsdrucks beschreiben – von der Herausbildung geteilter Meinungssysteme (belief systems – Urteile, Haltungen, Wahrheitsannahmen und ähnliches) bis zu kollektiv geteilten Geschmackspräferenzen. Die Rede von „Massengeschmack“ lässt sich so auf eine Tendenz zurückführen, die nicht in der ästhetischen Struktur von Werken begründet ist, sondern vielmehr auf einem Kollektivisierungsdrang, der das eigene Urteil zugunsten von Mehrheitsurteilen (oder als Mehrheitsurteil empfundenen) außer Kraft setzt, der allerdings von Propaganda und Werbung seinerseits wieder manipuliert werden kann.

Literatur: Asch, Solomon E.: Studies of independence and conformity: I. A minority of one against a unanimous majority. In: Psychological Monographs 70,9, 1956, S. 1-70.

Referenzen:

Mainstream

Massenkultur


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: AS


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