Lexikon der Filmbegriffe

Sittenfilm

Ein Sittenfilm ist ein Film, der unter dem Mantel der Aufklärung tabuisierte Themen, meist aus dem Bereich der Sexualität, behandelt. Das im Nachkriegsdeutschland verbreitete Genre diente primär der erotischen Unterhaltung und erlebte in Deutschland seinen Höhepunkt ab etwa 1918, begünstigt durch die Tatsache, dass es zwischen November 1918 und Mai 1920 keine Filmzensur gab. Gegen Ende der 1920er erlebte das Genre eine kurze Renaissance. In ihrer dramaturgischen Struktur orientierte sich die Mehrzahl der Filme an Kriminalfilmen und dem Melodrama. Die Handlung diente aber nur als Motor zur Darstellung von genretypischen Schlüsselszenen wie Verführung, Entkleidung, Vergewaltigung, Fetischismus und sexueller Perversion. Im Mittelpunkt stand dabei nicht Freude an der Sexualität, sondern die Zwänge und die Gewalt, die sie auf Menschen ausübt. Auch wenn der „Sittenfilm“ oft mit dem Aufklärungsfilm gleich gesetzt wird, unterscheidet er sich von diesem durch seinen exploitativen Charakter und die primär voyeuristische Zielrichtung der Inhalte.

Filme: Der ewige Zweifel (1917/18, Richard Oswald), Anders als die Andern (1919, Richard Oswald), Der Reigen (1920, Richard Oswald), Geschlecht in Fesseln (1928, Wilhelm Dieterle), Das Tagebuch einer Verlorenen (1929, G.W. Pabst), Madame Lu, die Frau für diskrete Beratung (1929, Franz Hofer), Frauennot - Frauenglück (Schweiz 1929, Eduard Tissé).

Literatur: Hagener, Malte / Hans, Jan (Hrsg.): Geschlecht in Fesseln. Sexualität zwischen Aufklärung und Ausbeutung im Weimarer Kino, 1918-1933. München: Edition Text + Kritik 2000.

Referenzen:

Dirnenfilm

pikanter Film


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: W


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