Lexikon der Filmbegriffe

Mainstream

auch im Dt. üblich; wörtlich etwa: Hauptstrom, allgemeine Richtung

Die Rede vom Mainstream hat sich auch im Deutschen als allgemeine Bezeichnung des Massengeschmacks eingebürgert, im Kontrast zu ästhetisch eigenständigen Subkulturen (heute oft: Independent-Kulturen), zu Produktionen des Undergrounds oder der Avantgarde. Mainstream wird oft als Manifestation kultureller Hegemonien angesehen, weil die Mainstream-Produkte ihre Akzeptabilität aus ihrer für die meisten Adressaten zustimmungsfähigen ästhetischen und ideologischen Form gewinnen. Es liegt nahe, Mainstreaming-Strukturen vor allem in den Massenmedien aufzusuchen (Anhang von Indikatoren wie Umsatz- und Zuschauerzahlen, Einschaltquoten und Ähnlichem). Der Gebrauch der Mainstream-Kategorie deutet meist auf ein geschmackliches und ästhetisches Urteil hin, das den Produkten Konfektionalität, Stereotypenhaftigkeit, mangelnde analytische Tiefe und ästhetische Differenzierung unterstellt. Vor allem in Komposita (wie Mainstream-Rock, Mainstream-Kino u.ä.) wird die Abfälligkeit des in der Redeweise verborgenen Urteils greifbar, das an die bürgerliche und linke Kritik an der „Massenkultur“ anknüpft.
Sozialpsychologisch wird der Mainstreaming-Effekt auf die Wirkweisen des Konformitätsdrucks zurückgeführt, der dazu führt, dass Menschen dazu neigen, sich Urteile, Haltungen, Wahrheitsannahmen und ähnliches mit anderen zu teilen, so dass sich große Gruppen geteilter Meinungssysteme (belief systems) und geschmacklicher Präferenzen herausbilden.

Literatur: Holert, Tom: Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft. Berlin [...]: Ed. ID‑Archiv 1996; 2. Aufl. 1997. – Hügel, Hans‑Otto: Lob des Mainstreams. Zu Begriff und Geschichte von Unterhaltung und populärer Kultur. Köln: Halem 2007.

Referenzen:

art house

Blockbuster

Konfektionsfilm

Konformitätsdruck

Massenkultur

Mitläufer-Effekt

Popcornkino

Populärkultur


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: AS


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