Lexikon der Filmbegriffe

Ikonomanie

Kunstwort aus griech.: eikon = Bild und mania = Raserei, Wahnsinn; dt. etwa: Bildsucht

In Günther Anders‘ Überlegungen zur „Antiquiertheit des Menschen“ sprach er auch von einer suchtartigen Anklammerung des modernen Subjekts an die technisch gewonnenen, redundant zugänglichen Bilder, die Kulturgeschichte aufsaugten und sie in eine permanente Wiederholbarkeit transformierten. Zudem beginne der Mensch, nach dem Vorbild der von ihm geschaffenen Bilder zu leben, primäre Erfahrung löse sich auf. Die Welt wird in dieser These bilderförmig, das Seiende gar den Bildern nachgeformt. Die Bilder verschmelzen mit der Wahrnehmung, ersetzen die wahrgenommene Welt (verstellen sie tatsächlich, anstatt sie vorzustellen, und verursachen eine grundlegende ontologische Zweideutigkeit der Wahrnehmung eines Zugleich von An- und Abwesenheit – das Reale wird zum Abbild der Bilder), die sich in ein zusammenhangloses Konglomerat von Einzelbildern auflöst, die nicht mehr kohärent zusammengefasst werden kann.

Literatur: Anders, Günther: Die Antiquiertheit des Menschen. 1. Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution. München: Beck 1961, v.a. §9, S. 51ff. – Haustein, Lydia: Global icons. Globale Bildinszenierung und kulturelle Identität. Göttingen: Wallstein 2008.


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: HJW


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