Lexikon der Filmbegriffe

Reaktanz

Den Begriff Reaktanz wurde 1966 von dem Sozialpsychologen Jack W. Brehm eingeführt. Man versteht darunter eine komplexe Abwehrreaktion, die meist als Widerstand gegen äußere oder innere Einschränkungen ausgelegt wird. Reaktanz-Effekte treten auf, wenn psychischer Druck ausgeübt wird oder wenn Freiheitsspielräume etwa als Verbote oder Zensurmaßnahmen eingeschränkt werden. Als Reaktanz ist dabei nicht das abwehrende oder Gebote übertretende Verhalten gefasst, sondern vielmehr die ihm zugrundeliegende Motivation oder Einstellung.
Für den Film ist Reaktanz gleich mehrfach von Bedeutung – (1) für die Zensur, weil mit der Zensurierung oder gar Indizierung der betroffene Film an Attraktivität gewinnt, (2) für das Film- und neuerdings Serienmarketing, weil das Exklusivmachen von Programmen ebenfalls mit erhöhter Neugierde beantwortet werden kann. Ein berühmtes Experiment stellte Vpn vor die Aufgabe, aus einer Reihe von Platten die qualitätvollste auszusuchen; außerdem konnte jede Vpn eine Platte mitnehmen; als in einem Parallelversuch der Vl mitteilt, dass eine der Platten nicht mehr vorrätig sei, steigt die Attraktivität der vergriffenen Platte bei allen Versuchsteilnehmern signifikant an.

Literatur: Brehm, Jack W.: Theory of psychological reactance. New York: Academic Press 1966. - Walcher, Iris‑Johanna: Moralische Botschaften in „Desperate Housewives“. Mag.-Arb., Universität Wien. Fakultät für Sozialwissenschaften 2009 [online].


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: JvH


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