Lexikon der Filmbegriffe

Bleichauslassung

engl.: bleach bypass; auch im Dt. oft: Bleach-Bypass-Effekt

Die Bleichauslassung ist ein visueller Effekt, bei dem der Vorgang des Bleichens bei der Farbfilmentwicklung teilweise oder komplett ausgelassen wird. Dadurch wird das schwarze Silber nicht in Silberbromid umgewandelt und bleibt zusammen mit den Farbstoffen auf dem Film. Das Ergebnis ist ein Farbbild, das von einem Schwarzweißbild überlagert wird. Dadurch erhält das Bild weniger Sättigung und Belichtungsumfang sowie einen erhöhten Kontrast und mehr Körnigkeit. Üblicherweise wird das Bleichauslassungsverfahren in Verbindung mit einem um einen Blendenwert unterbelichteten Film verwendet, um den Effekt noch zu verstärken.
Die Bleichauslassung wurde zuerst 1960 in Kon Ichikawas Film Otôto von dem Kameramann Kazuo Miyagawa verwendet. Er wurde dabei von der Farbgestaltung des 1956 veröffentlichten Moby Dick inspiriert, der in Technicolor hergestellt wurde. Hierbei wurde der Effekt durch die Überlagerung mit einem Schwarzweißbild erreicht. Trotz dieser frühen Entdeckung wurde der Bleach‑Bypass‑Effekt erst wieder durch den Kameramann Roger Deakins in 1984 (Großbritannien 1984, Michael Radford) verwendet. Als Mittel der visuellen Verfremdung und der Indikation des Alters oder der Dokumentarizität der Bilder wurde er seitdem in einer ganzen Reihe weiterer Filme verwendet (darunter Saving Private Ryan, USA 1998, Steven Spielberg [Kamera: Janusz Kaminski], Snatch, Großbritannien 2000, Guy Ritchie [Tim Maurice‑Jones], oder 300, USA 2006, Zack Snyder [Larry Fong]).

Referenzen:

Farbentsättigung


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: W JH


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