Lexikon der Filmbegriffe

Ecocinema

von engl.: eco[logical] cinema; auch im Dt. gebräuchlich; dt. etwa: ökologischer Film, ökologiekritischer Film; selten auch: Ökofilm

In den Jahren seit 1990 hat es eine immer noch zunehmende Zahl von Filmen zu Problemen der Ökologie gegeben. Das Thema reflektiert politische Agenda wie die Klimakatastrophe, die Umweltverschmutzung, die Ökomisierung der Landwirtschaft, die weltweite Wasserversorgung und ähnliches mehr. Die Filme haben sich schnell als wirkmächtige Mittel zur Verbreitung und Popularisierung der Kritik am Umgang vor allem der Industrienationen mit der natürlichen Umwelt und mit den Resourcen, vor allem auch der sozialen und humanitären Katastrophen, die dadurch erzeugt werden.
Spielarten des frühen ecocinema handelten vor allem von Tierschutz, Giftmüll und Atomwirtschaft (daneben fanden sich düstere Zukunftsentwürfe einer zerstörten Erde); eine ganze Reihe neuerer Produktionen stammen nicht nur aus Hollywood (man denke an Erin Brockovich, 1999, ebenso wie an Werner Herzogs Grizzly Man, 2005), sondern auch aus vielen anderen Nationen – immer thematisieren die Filme das Machtverhältnis zwischen Wirtschaft und Politik, dramatisieren das Problem der Verantwortung der Menschen, die Bewohnbarkeit der Erde zu erhalten. Sie nutzen darum oft Erzählformen des Thrillers oder der Detektivgeschichte, an deren Ende nicht nur die Gier der Fabrikanten, sondern auch deren skrupelloses Verhalten entlarvt wird; es finden sich auch eine ganze Reihe von Kinder- und Jugendfilmen, die das Thema bereits für jüngeres Publikum aufbereiten und dramatisieren. Daneben hat sich ein eigenes dokumentarisches Genre entwickelt (unter den Filmen finden sich  Darwins Alptraum, 2004, über Fischerei im Victoriasee, Bottled Life: Nestlés Geschäfte mit dem Wasser, 2011, über die Monopolisierung von Wasserrechten durch den internationalen Nestlé-Konzern, An Inconvenient Truth, 2006, über den Klimawandel,  oder Gasland, 2010, über die Gasgewinnung mittels Fracking), das auch mit den Mitteln des Kinos in die politische Diskussion einzugreifen versucht.

Literatur: Brereton, Pat: Hollywood utopia. Ecology in contemporary American cinema. Bristol: Intellect Books 2005. – Lu, Cheldon H. / Mi, Jiayan (eds.): Chinese ecocinema. In the age of environmental challenge. Hong Kong: Hong Kong University Press 2009. – Kääpä, Pietari / Gustafsson, Tommy (eds.): Transnational ecocinema. Film culture in an era of ecological transformation. Bristol [...]: Intellect 2013. – Murray, Robin L. / Heumann, Joseph K.: Ecology and popular film.Cinema on the edge. Albany: State University of New York Press 2009. – Rust, Stephen / Monani, Salma / Cubitt, Sean (eds.):  Ecocinema theory and practice. New York: Routledge 2013.

Referenzen:


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: AS


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