Lexikon der Filmbegriffe

proletarischer Film

oft auch: Volksfilm

Als proletarischer Film wird eine Bewegung in der deutschen Filmgeschichte zwischen etwa 1925 und 1933 bezeichnet, in der es darum ging, die Missstände der Lebens‑ und Arbeitsbedingungen in der deutschen Arbeiterschaft filmisch-dramatisch deutlich zu machen und zur Solidarität der und mit der Arbeiterbewegung aufzurufen. Auftraggeber dieser Filme waren KPD und SPD, Gewerkschaften und linke Organisationen; die bekanntesten Produktionsfirmen waren die Prometheus Film‑Verleih und Produktionsgesellschaft GmbH, die sich hauptsächlich mit Spielfilmen beschäftigte (wie etwa der große Erfolg Mutter Krausens Fahrt ins Glück, 1929, Piel Jutzi, oder Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?, 1932, Slatan Dudow), die SPD-Produktionsgesellschaft Film‑ und Lichtbilddienst (mit Filmen wie Brüder, 1929, Werner Hochbaum, oder Lohnbuchhalter Kremke, 1930, Marie Harder) und die Filmkartell "Weltfilm" GmbH, die in der Hauptsache Dokumentarfilme produzierte. Angeregt wurde die Bewegung durch den sowjetischen Revolutionsfilm und die damit verbundenen Hoffnungen, mit Filmen erzieherisch auf die Gesellschaft einzuwirken.
Der proletarische Film erlebte in den 1960ern eine Renaissance. Dokumentarfilme wie In der Fremde (1967, Klaus Wildenhahn) über eine Kolonne Bauarbeiter, die einen Futtermittelsilo errichten, oder Warum ist Frau B. glücklich? (1968, Erika Runge, der 50 Jahre deutsche Geschichte aus der Perspektive der Arbeiterklasse nacherlebbar macht, greifen die aufklärerische und parteiliche Haltung der Filme der Jahre am Ende der Weimarer Republik ebenso auf wie den Aufruf zur Solidarität der und mit der arbeitenden Klasse. Vor allem die Filme der „Berliner Schule“ gewannen eine gewisse Eigenständigkeit. Die Wiederaufnahme der Programmatik des proletarischen Films verliert sich aber bereits Mitte der 1970er wieder.

Literatur: Berger, Jürgen (Red.): Erobert den Film! Proletariat und Film in der Weimarer Republik. Anlässlich der Retrospektive [...]. Berlin: Freunde der Deutschen Kinemathek 1977 (Materialien zur Filmgeschichte. 7.).

Referenzen:

Arbeiterfilm

Berliner Schule

Prometheus-Film-GmbH

working class cinema


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: W CA


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