Lexikon der Filmbegriffe

Filmphilosophie

engl.: philosophy of film, film philosophy

Filmphilosophen beschäftigen sich mit der vielfachen Beziehungen zwischen Film und Philosophie. Während die Philosophie des Films (philosophy of film) das Medium Film bzw. einzelne Filme als Gegenstand philosophischer Reflexion auffasst, untersucht die Filmphilosophie, inwiefern Filme bzw. das Medium des Films selbst Ausdruck philosophischen Denkens sein können (Film als Philosophie) oder  diese Philosophen zumindest neue Perspektiven auf philosophische Probleme und Fragestellungen eröffnen (Philosophie durch Film).
Durch Autoren wie Rudolf Arnheim, Béla Balázs, Jean Epstein oder Hugo Münsterberg setzt filmphilosophische Reflexion bereits im frühen 20. Jahrhundert ein, als philosophische Subdisziplin etabliert sich die Filmphilosophie erst seit den 1980ern, mit Stanley Cavell und Gilles Deleuze als Hauptvertretern.


(1) Philosophie des Films: Die Philosophie des Films untersucht grundlegende Begriffe, Merkmale und  Themen, die das Medium Film betreffen, z.B. Film als Kunst (Arnheim, Carroll, Seel), Filmontologie (Film und Wirklichkeit, Abgrenzung zu anderen Bewegtbildmedien; Arnheim, Bazin, Cavell, Früchtl), Raum und Zeit im Film (Bergson, Deleuze, Merleau-Ponty), Erzählen und Autorschaft im Film (Metz, Smith, Wartenberg, Wilson).


(2) Philosophie durch Film (Illustrationsthese): Minimal verbunden sind Film und Philosophie dadurch, dass erstere sich zur Illustration und Popularisierung komplexer philosophischer Probleme eignen. The Matrix (1999) illustriert demzufolge das Problem des Außenweltskeptizismus, Memento (2000), Blade Runner (1982) oder Artificial Intelligence: AI (2001) veranschaulichen Probleme der personalen Identität. Die philosophische Eigenleistung der Filme tritt hier allerdings in den Hintergrund.


(3) Philosophie durch Film (Inspirationsthese): Filme lassen sich auch als philosophische Inspirationsquelle beschreiben, die alternative Perspektiven auf traditionelle philosophische Problem eröffnet – „new modes of organizing and making sense of experience and knowledge” (Andersen 2003). So können filmische Ausdrucksmittel wie Zeitraffer, Zeitlupe, Perspektivwechsel (z.B. Weltraumfotos der Erde) oder nonlineare Montagestrategien philosophische Untersuchungen zum Zeit- oder Wissensbegriff inspirieren, ohne jedoch selbst als genuin philosophische Ausdrucksmittel zu gelten.


(4) Film als Philosophie: Kontrovers diskutiert wird die These, dass Filme selbst Ausdruck genuin philosophischen Denkens sein können. Gehen „Philosophie durch Film“-Ansätze noch davon aus, dass sich durch Filme gewonnene philosophische Inspiration in traditioneller philosophischer Sprache formulieren lassen, postulieren „Film als Philosophie“-Ansätze, dass sich filmisch-philosophische Ausdrucksweisen nicht auf die Schrift- und Wortsprache der traditionellen Philosophie zurückführen lassen. Filme gelten dann z.B. als spezifische Form des philosophischen Erlebens oder als filmische philosophische Gedankenexperimente.

Literatur: Andersen, Nathan: Is Film the Alien Other to Philosophy?: Philosophy *as* Film in Mulhall’s On Film. In: Film-Philosophy 7,23, Aug. 2003, URL: http://www.film-philosophy.com/vol7-2003/n23anderson. - Cavell, Stanley: The World Viewed: Reflections on the Ontology of Film. Enl. ed. Cambridge, Mass.: Harvard University Press 1979. - Deleuze, Gilles: Kino. 1. Frankfurt: Suhrkamp 2008. - Liebsch, Dimitri (Hrsg.): Philosophie des Films: Grundlagentexte. Paderborn: Mentis 2005. - Wartenberg, Thomas E.: Thinking on Screen: Film as Philosophy. New York: Routledge 2007.

Referenzen:

Filmtheorie


Artikel zuletzt geändert am 17.12.2014


Verfasser: PS


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