Lexikon der Filmbegriffe

Tortung

als Verb: „torten“; engl.: pieing; auch: Tortenwurf;


Die Tortenschlachten der Stummfilmzeit zielten nicht nur darauf ab, die Welt in ein anarchisch anmutendes Chaos zu überführen, sondern auch, insbesondere Würdenträger durch den Totenwurf symbolisch zu beschädigen und ihnen Züge der Groteske zu verleihen. Um 2000 fand sich der Tortenwurf auch außerhalb des Films als aktionistische Form politischen Protestes – in öffentlichen Situationen, denen Presse und Fernsehen meist beiwohnten. Ein bekannter Fall war die Attacke Wiener Studenten auf den Rektor der Universität und den Leiter der Hochschulsektion im Bildungsministerium im Jahre 2004, der wesentlich dazu beitrug, dass Tortung – die journalistische Bezeichnung derartiger Aktionen („Rektor Winckler wurde getortet“) – auf die Vorschlagsliste zum „Unwort des Jahres“ kam (2004). Das Ziel derartiger Attacken ist das Lächerlichmachen des Funktionsträgers, impliziert allerdings die Aussetzung jeglicher Sachargumentation; darum auch wurde das Torten als Entpolitisierung politischer Konflikte interpretiert und taucht in dieser Form v.a. in TV-Komödienproduktionen über Politthemen auf.

Referenzen:

Tortenschlacht


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: JvH


Zurück