Lexikon der Filmbegriffe

Zwischenfilmverfahren

G. Schubert, W. Dillenburger und H. Zschau, Ingenieure der Fernseh‑Aktiengesellschaft Berlin, entwickelten anfangs der 1930er das sogenannte Zwischenfilmverfahren, bei dem das Fernsehbild auf SW-Film ausbelichtet wurde, der wiederum in einem einzigen Arbeitsgang entwickelt, fixiert, getrocknet und abgetastet wurde, so dass 1936 bereits nach 85sec die Aufnahmen vom Fernsehsender ausgestrahlt werden konnten. Die erste Zwischenfilmanlage mit 90‑Zeilen‑Abtaster wurde im August 1932 vorgestellt. Die Zeit von der Aufnahme bis zur Wiedergabe konnte mit eigens für das Verfahren entwickelten Filmmaterialien von Zeiss‑Ikon auf 15sec gesenkt werden, wobei der Film allerdings naß durch den Abtaster lief und nicht archivfest war. 1934 wurde eine komplette Zwischenfilmanlage mit Kamera und ISO‑Zeilen‑Abtaster in einen Mercedes‑LKW der Reichsrundfunkgesellschaft eingebaut, womit der erste deutsche Fernseh‑Reportagewagen entstand. Nach der Eröffnung des deutschen Fernsehrundfunks im März 1935 ergänzten noch ein Ton‑ sowie ein Lichtwagen den Zwischenfilm‑Reportagewagen. Das Zwischenfilmverfahren mit seiner ausgereiften Filmtechnik ermöglichte eine Übertragung bei schlechten Lichtverhältnissen; darüber hinaus hatte der Zwischenfilm‑Wagen den Vorteil der Beweglichkeit. Die mit fünf Mitarbeitern besetzten Zwischenfilmwagen, die bei der Olympiade 1936 eingesetzt wurden, arbeiteten mit sogenanntem Halbformatfilm (35mm-Film, auf dem das Einzelbild jedoch nur die Abmessung von 9x12mm gegenüber 18x24mm des normalen Filmbildes hatte; mit der großen Kassette ergab sich damit eine kontinuierliche Aufnahmedauer von 65 Minuten). Die mechanischen Filmabtaster der beiden Zwischenfilmwagen arbeiteten zunächst mit 180 Zeilen, wurden jedoch 1938 auf eine andere Norm von 441 Zeilen umgebaut. 1936/37 stellte die Fernseh-AG ein transportables Zwischenfilmgerät (1,20x1,30x0,65m) vor, das auch für Innenaufnahmen konzipiert war.


1938 lösten die ersten Fernseh‑Reportagewagen mit zwei elektronischen Speicherrohr‑Kameras, Bildmischpult, Einkanal‑Modulator und UKW‑Relaissender die Zwischenbild-Lkws ab – damit hatte das vollelektronische Fernsehen das Zwischenfilmverfahren verdrängt.


Literatur: Riedel, Heide: Die Entwicklung des Zwischenfilmverfahrens. In: Medienwissenschaft. Ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. Hrsg. von Joachim‑Felix Leonhard [...]. Berlin [...]: de Gruyter 2002, S. 2140-2143.

Referenzen:

Kinescope


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: EMA


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