Lexikon der Filmbegriffe

Persiflage

von frz.: persifler = „auspfeifen, verspotten, lächerlich machen“


Allgemein ist eine Persiflage eine geistreiche, nachahmende und oft auch kritische Verspottung eines Genres, eines künstlerischen Werks oder einer bestimmten Geisteshaltung. Sie ist mit den rhetorischen Strategien der Satire verwandt, insbesondere mit den Stilmitteln der Übertreibung und Überzeichnung. Es geht um die geistreiche satirische Verzerrung von Inhalten, Themen oder Motiven, nicht um eine inhaltliche oder stilistische Transformation wie bei Parodie oder Travestie. Darum umfasst die Persiflage auch immer ein Moment des Ernstnehmens der persiflierten Vorlage.


Im Film wird der Begriff zweifach verwendet – wenn ganze Genres persifliert werden (wie etwa die Jesus-Filme in dem Monty-Python-Film Life of Brian, Großbritannien 1979, Terry Jones, die Spionagefilm-Persiflage Billion Dollar Brain, Großbritannien 1967, Ken Russell, oder die Karl-May-Filme der 1960er in der ausgesprochen derben Komödie Der Schuh des Manitou, BRD 2001, Michael Herbig), das Persiflieren sich also eher auf filmische Darstellungskonventionen bezieht, oder wenn es um inhaltliche Stereotypien geht (wie etwa die Konzeptionen der Hitler-Figur in Charlie Chaplins The Great Dictator, USA 1940). Es finden sich aber auch Zwischenformen (wie Roberto Benignis La vita è bella, Italien 1997, über die Konventionen der KZ-Darstellung).


Literatur: Feil, Ken: Dying for a laugh. Disaster movies and the camp imagination. Middletown, Conn.: Wesleyan University Press 2006. – Rußegger, Arno: Zwischen Hommage und Persiflage. Alexander Zlamals Musik und Sounddesign für Virgil Widrichs Copy shop (2001). In: Tonspuren. Musik im Film: Fallstudien 1994 – 2001. Hrsg. v. Andreas Dorschel u. Julie Brown. Wien [...]: Universal‑Edition 2005, S. 149-162.


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: JvH W


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