Lexikon der Filmbegriffe

sojourner cinema

von engl.: sojourner = Gast


Filme, die auf die Erfahrungen von Filmemachenden zurückgehen, die – im Gegensatz zu etwa zur Flüchtlingen – freiwillig nationale Grenzen überqueren und eine Weile mit der erklärten Absicht in einem anderen Land leben, dort einen Film zu drehen, werden nach einem Vorschlag von Mills gelegentlich sojourner cinema genannt. Derartige Filme zeichnen sich durch eine multiple Zugehörigkeit und Verortung von Filmen jenseits des kategorialen Gegensatzes von Welt- und Nationalkino aus. Der These Mills‘ folgend tragen die Filme die Charakteristiken der Multifokalität (der thematischen Vielfalt und Mehrschichtigkeit) und der Multivokalität (der Vielstimmigkeit). Derartige Filme gehören nicht dem accented cinema an, auch nicht dem diasporischen Kino, weil die Filmemacher nicht unter dem Eindruck des Verlusts von nationaler oder regionaler Identität arbeiten, sondern die Internationalität der Produktion (und vielleicht auch der Arbeit im fremden Land) bewusst aufsuchen. Ein von Mills genanntes Beispiel ist Dersu Uzala (Usala der Kirgise, UdSSR/Japan 1975, Akira Kurosawa).


Im Horizont des Konzepts werden aber auch europäische Filme von Filmemacherinnen diskutiert, die sich an ein sowohl lokales wie transnationales Publikum wenden – u.a. mit Blick auf eine sich transnationalisierende, gleichwohl gender-reflexive, feministische Filmpraxis.


Literatur: Mills, Jane: Sojourner Cinema: Seeking and Researching a New Cinematic Category. In: Framework. The Journal of Cinema and Media 55,1, 2014, S. 140-164. – Smaill, Belinda: The Male Sojourner, the Female Director, and Popular European Cinema. The Worlds of Susanne Bier. In: Camera Obscura 29,1 [=85], 2014, S. 5‑31.

Referenzen:

accented cinema

diasporisches Kino


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: KB


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